Verfasst von: dina88 | Juli 13, 2008

Kleiner Nachtrag

Nachdem ich nun schon gut 2 Wochen wieder in Deutschland bin und seit etwa 6 Wochen nichts mehr geschrieben habe, muss ich doch noch einen kleinen Nachtrag machen. Nachher denkt noch jemand, ich sei vom Imbabura gestürzt oder abgetaucht oder sowas…Halt! Stop! gerade fällt mir hier auf, dass ein Artikel, den ich noch Mitte Juni geschrieben habe, gar nicht veröffentlicht worden ist. Welche Frechheit… Also, der mit „Eine Busfahrt, die ist lustig“ betitelte Artikel ist von Mitte Juni und nicht, wie WordPress nun fälschlicherweise behauptet, von heute. Aber so muss ich wenigstens nun die ersten 2 Juniwochen nicht mehr zusammenfassen…

Nun also zu den letzten beiden: Wie schon vermutet, musste das Zelten auf dem Imbabura dank ecuadorianischen Organisationstalenten ausfallen – jedoch haben wir es uns nicht nehmen lassen, die Expedition ganz abzusagen, und in deutsch-schweizerischer Zusammenarbeit wenigstens eine Besteigung des Vulkans ohne Übernachtung zu planen und tatsächlich durchzuführen. aufgrund falschem Zeitmanagement (vielleicht sind wir doch schon zu lange in Ecuador…) haben wir es zwar nicht bis auf die Spitze (4609m) geschafft, aber doch auf geschätzte 4000, und das war auf jeden Fall ein Erlebnis, was alle Mühe wert war. Der Blick von dort oben ist einfach gigantisch. Ob mit Wolken (weil wir waren höher!), oder ohne. Und wer weiß, da ich sicherlich nicht das letzte Mal in Otavalo war und auch aus unseren Fehlern lernen kann, vielleicht schaffe ich es ja doch noch mal bis ganz nach oben. Wäre ein Ziel…

Am nächsten Tag musste ich leider schon wieder um 5 Uhr aufstehen (während meine Leidensgenossinen weiterschlafen durften. grrrr…), denn es war ja das Abschiedsfest in der Schule geplant. Gefreut habe ich mich ehrlich gesagt gar nicht so sehr, weil ich wusste, dass es für mich ein sehr schwerer Tag sein würde. Jetzt hatte ich die Kinder schon 3 Wochen nicht gesehen, sie freuten sich alle so, dass ich wieder da war, und ich auch- und nun musste ich mich endgültig verabschieden. Es war ein wirklich schöner, aber sehr trauriger, tränenreicher Abschied. Nach zahlreichen Dankesreden der Lehrer und Eltern bekam ich ein (zugegeben etwas kitschiges, aber mit viel Mühe handgefertigtes) Abschiedsgeschenk: Eine große bestickte Tischdecke und ein paar kleine Deckchen/Servietten oder was auch immer man damit machen soll. Wirklich lieb. Und dann kam es doch noch- das Meerschweinchen. Bzw. die Meerschweinchen. Gleich 5 an der Zahl, auf einem riesigen Berg Kartoffeln plus 10 hartgekochte Eier- ein Festessen. Zwar alles als Geschenk für mich gedacht, aber Gott sei Dank wurde mir gleich beim Überreichen gesagt, ich dürfe auch den anderen Lehrern was abgeben. Und dann gibt es ja auch noch die gute alte Plastiktüte. In Ecuador völlig normal und an der Tagesordnung. Viel höflicher, als den REst zurückzugeben, und man braucht noch nicht einmal sagen, das sei für den Hund 🙂 So viele Meerschweinchen sind eine große Ehre, und ein großes DAnkschön, aber nicht nur das- ein paar Tage vorher hatten wir noch gelernt, wenn man ein Meerschweinchen bekommt, sei das „nur“ eine Ehre. Wenn man mehrere bekommt, und diese akzeptiert, annimmt, ist es ein Vertrag, den man mit der Gemeinde eingeht. Ich hatte schon etwas bedenken, sie wollen jetzt, dass ich ihnen Tische und Stühle für den Essensraum schenke oder einen neuen Fußballplatz- aber nein, in dem Fall war es einfach nur ein Dankeschön. Mit einer kleinen Bitte- ich muss wiederkommen. Aber diese Verpflichtung gehe ich gerne ein 🙂 Trotzdem war es letztendlich schwer, mich dann wirklich aufzuraffen und zu gehen. Viele Kinder liefen mir noch ein Stückweit hinterher- die Großen bettelnd, bleib hier, geh nicht weg, bleib bei uns. Ein kleines Grüppchen blieb am Schultor stehen, nachdem ich mich schweren Herzens aufgerafft und weitergegangen war, ruft Marta noch einmal: Senorita!!! und ich musste mich doch noch einmal umdrehen. „Quedate nomas!“ was soviel bedeutet wie „bleib doch einfach hier.“ Noch mehr als das, man kann diese eigentlich grammatikalisch völlig unsinnige, aber so typisch ecuadorianische Form nicht übersetzen, nomas, mach dir keine Sorgen, keine Gedanken, tus doch einfach! Und wäre das ganze jetzt ein Film gewesen, ich hätte in diesem Moment wohl umkehren und wirklich dableiben müssen. Und hätte glücklich und zufrieden bis ans Ende meiner Tage in Ecuador gelebt. Aber es war nun mal kein Film, und ich bin und bleibe wohl eine Deutsche, und so blieb mir nichts anderes übrig als noch einmal traurig zurückzulächeln und meinen Weg fortzusetzen. Meine letzte Erinnerung an ucsha sind dann die Kinder, die ich weiter unten noch getroffen habe- etwas kleiner, und sie hatten wohl trotz des Abschiedsfestes nicht verstanden, dass ich jetzt nicht mehr wiederkomme. HAsta lunes riefen sie mir noch hinterher, bis MOntag! Na dann, bis Montag!

Am WOchenende ging es dann Gott sei Dank nochmal etwas lustiger zu: Samstag noch einmal fleißig Marktshopping, Samstagnacht ein letzter Jampa-Abend und Sonntag ging das INti Raymi-Fest los, mit rituellem Bad um Mitternacht im Wasserfall- wir natürlich voll dabei. Auch wenn es etwas (aber nur ein kleines bisschen ;-)) kalt war, unsere Klamotten im Matsch gelagert waren und wir erst nach langem Suchen jeder wieder seine eigene Jeans, sein eigenes T-Shirt und die eigenen Socken gefunden hatten und wirklich alles schlammig und nass war und auch noch mein Bikini-oberteil im Umzieh-Chaos verschwunden ist, war es ein einmaliges Erlebnis. Und das Verschwinden sollte wohl so sein- denn vorher hatte man uns erst erzählt, dass die ganze schlechte Energie, die das rituelle Bad jetzt aus uns herausgewaschen hat, in unserem Bikini hängengeblieben ist und wir den jetzt nicht mehr anziehen dürfen- wer weiß, welcher unserer  „Freunde“ sich dann gedacht hat, wenn die gringa auf den Rat nicht hören will, müssen wir eben nachhelfen… 🙂 In diesem Fall kann ich ihm verzeihen, vielleicht sollte es auch so sein. Der Verlust hat auf jeden FAll der Stimmung keinen Abbruch getan, bis  5 uhr morgens wurde gefeiert und getanzt- von einem Haus zum nächsten.

Auch die nächsten Tage waren neben Kofferpacken vor allem vom Inti Raymi/SAn Juan- Tanzen geprägt, und so verging die Zeit einfach rasend schnell. Manch Ecuadorianer wird sich gefragt haben, was das für eine komische Truppe gringas ist, die donnerstags mittags mit Unmengen (wirklich Unmengen!) Gepäck an der Panamericana in den Bus steigt, die ganze BUsfahrt über abwechselnd lacht und weint und im breitesten Otavaleno-Spanisch sämtliche typischen Redewendungen ins Gedächtnis ruft, Unmengen Wassereis von den Busverkäufern kauft (diesen Service muss man ja noch ein letztes Mal genießen) und dann auch noch den Schleichweg zum Flughafen kennt…

Ja, und dann war es soweit. Por favor, cierre el cinturon de seguridad. SChließen Sie den Sicherheitsgurt, ab nach Europa. Das war schon ein komisches Gefühl. Viel komischer noch als beim Hinflug- und mit so viel Gedanken im KOpf vergingen die 12 Stunden nach Spanien dann doch recht schnell. Dort dann schon der erste Kulturschock: Alle Leute auf einmal so groß, so hell, so schnell, so schick, so hektisch… Was ist passiert, wo bin ich? Ein paar Stunden später waren wir auf einmal wieder in Deutschland.

Ja, und da bin ich. Vorher hatte ich ja gedacht, ich würde nun von allen möglichen Leuten, die vielleicht nicht immer mit mir in KOntakt standen, gefragt, uuuuuund, wie wars? Die Frage kommt -Gott sei Dank- nicht so oft, und ich weiß immer noch nicht, was ich darauf antworten soll. Viel eher aber werde ich komischerweise gefragt, uuund, jetzt bist du aber schon froh, wieder zuhause zu sein?… und auf die Frage weiß ich noch viel weniger eine Antwort, kann doch niemand nachvollziehen, dass ich jetzt viel lieber noch in Otavalo wäre- natürlich freue ich mich, wieder bei meiner Familie, meinen Freunden zu sein. Nicht dass jetzt jemand denkt, ich würde hier schlecht behandelt. Nein, alle sind furchtbar lieb zu mir. Aber Ecuador ist halt irgendwie doch viel cooler als Deutschland 🙂

Ja, was jetzt noch fehlt, ist ein zusammenfassender Abschlussbericht, der wird auch ganz sicher noch kommen. Das schiebe ich jetzt schon die ganze Zeit vor mir her, aber auch Cielo Azul und yap wollen natürlich einen Bericht haben, also muss ich das auch noch machen. Und den dann auch noch hier veröffentluchen´. Also , es lohnt sich, vielleicht in 2 Wochen nochmal hier vorbeizuschauen. Vielleicht lade ich ja auch noch im Nachhinein das ein oder andere FOto.

Alle, die mehr wissen wollen, sind natürlich herzlich eingeladen, bei mir vorbeizuschauen, oder mir zu schreiben, oder anzurufen, oder wie auch immer. Emailadresse habt ihr ja. Ich freue mich auf euch!

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