Verfasst von: dina88 | Mai 10, 2008

Colombia!

Ja. Wir haben es tatsaechlich geschafft und sind verreist. Und kein langweiliger Entspannungsurlaub in den Thermalquellen, nein nein. Es fehlten noch ein paar Stempel im Pass. Also auf nach Kolumbien, FARC hin oder her, Drogen und sonstige Kriminalitaet genauso, wenn man nur 3 Stunden von der Grenze entfernt wohnt muss das einfach sein.

Freitag mittag also auf in den Bus, 3 Stunden nach Tulcan, Taxi zur Grenze, Ausreisestempel, Geld tauschen (90 Dollar = 148.000 Pesos, wie soll man da den Ueberblick bewahren?), zu Fuss ueber die Grenzbruecke, Einreisestempel, Taxi zum Busterminal, ab in den naechsten Bus nach Pasto. Da sollte unsere Reise hingehen, eine nette 300.000 Einwohner-Stadt im Sueden Kolumbiens, voellig ungefaehrlich und gut zu erreichen. Nochmal 2 Stunden Busfahren, noch ein Taxi, und abends gegen 8 Uhr waren wir schon im Hostal. Alles voellig problemlos. Das erste Leuchten zauberte der Schuhladen gegenueber unseres Hostals in unser Gesicht. Endlich Schuhe, muessen wir nicht mehr mit den dreckigen und nach Kuhmist stinkenden comunidad-Allzweck-Turnschuhen ausgehen…

Samstag wurde dann nach etwas obligatorischem Altstadtbummel (gibt wirklich schoene Kolonialarchitektur zu begutachten. Die Kirchen waren leider leider alle geschlossen- bliebs beim Touri-Fotos schiessen von aussen…) zum Shoppingtag- ein LAden neben dem anderen. Etwas enttaeuschend: Es war nicht alles wie versprochen billiger als in Ecuador. Vielleicht lags aber auch nur am Dollarkurs, das wir so „wenige“ Pesos bekommen haben und uns alles so teuer vorkam. Trotzdem gabs dann gegen Ende des Tages ein paar neue Schuhe. Nachdem wir naemlich saemtliche Schuhlaeden der Stadt abgeklappert haben, haben wir natuerlich doch in dem oben erwaehnten eingekauft. Die noch viel groessere Enttaeuschung: Aus allen Laeden super Musik, wir hatten uns seit Wochen auf kolumbianische Cumbias und Salsas gefreut – aber keine CD-Laeden.- Auf Nachfrage konnte man erfahren, dass es im Einkaufszentrum welche geben sollte. Ab 30.000-40.000 Pesos- das sind ja 20 Dollar! Was soll das denn ? Original- CDs versteht sich… Und die anderen? Auf der Strasse fuer 7-10.000 Pesos- 4mal so viel wie in Ecuador. Und wenn die Polizei kommt, wird schnell eingepackt. Ich dachte ja mal, Kolumbien sei so ne Schwarzmarkt-Hochburg. Aber kopierte CDs sind illegal- komisch, in Ecuador kann man gar keine Original-CDs kaufen. An jeder Ecke ein CD-Laden, natuerlich nicht Originalcds, jede CD 1 Dollar, voellig legal, ganz offiziell. Heute erst habe ich 14 CDs fuer 12 Dollar gekauft- dafuer kriegt man in Deutschland noch nicht mal eine. Aber in Kolumbien geht das scheinbar nicht. Schade!

Die dritte und fuer mich allergroesste Enttaeuschung: Seit wochen hatten wir uns darauf gefreut, die Tanzkuenste der Kolumbianer zu testen, sind sie doch dafuer beruehmt-beruechtigt. Und als vor ein paar Wochen halb Pasto in Otavalo war, haben hier die besten Parties stattgefunden, die ich bisher erlebt habe. An diesem Samstagabend in Pasto war allerdings tote Hose. Statt Tanzen zu gehen wollten sie sich alle lieber das Fussballspiel Pasto gegen die kol. Nationalmannschaft anschauen. Also wenigstens ein Cocktail? Fuer umgerechnet 7 Dollar. Das sind ja europaeische Preise, dafuer kriegt man in Otavalo 3. Von wegen, Kolumbien ist so billig. Dafuer haben wir kein Geld. Also zurueck ins Hostal, um 10 Uhr ins Bett, war auch nicht so schlecht, da wir am Sonntag um 6 schon wieder los wollten, zurueck ins billige Ecuador.

Auch das wieder problemlos, viel problemloser als an der peruanischen Grenze. Was uns etwas geschockt hat war der Beamte im ecuadorianischen Einreisebuero. Der wollte uns naemlich weismachen, wir haetten nur noch 3 Tage in Ecuador. Dann muessten wir weg. Gut, dass wir die ecuadorianischen VIsa besser verstehen als er- nachdem wir zu zweit auf ihn eingeredet haben, dass wir ein Visum haben, welches ab dem Tag der Einreise 1 Jahr, 365 Tage gueltig ist, mit beliebigen Ein- und Ausreisen, und demnach bis zum 31.08.08 im Land bleiben duerften, hat er es uns dann doch geglaubt. Er haette eh nichts zu sagen gehabt, da im Pass dieses Datum schwarz auf Weiss drinsteht und von der Auslaenderbehoerde nochmal bestaetigt wurde. Bloedmann…

Auf dem Rueckweg von der Grenzstadt nach Otavalo wurden dann 5mal Paesse und  GEpaeck kontrollliert. Laueft immer so: Ein Polizist oder Militar oder wie auch immer winkt den Bus rechts ran, irgendein bewaffneter Typ steigt ein, guckt sich die Leute im Bus an, kommt auf uns zu, bitte Paesse, bitte Gepaeck, wirft einen Blick drauf und geht wieder raus. Die Ecuadorianer sind ihm egal- sind ja auch immer die 2 blonden, 20-jaehrigen Weissen Rucksackreisenden, die die Drogen schmuggeln oder illegal reisen oder wie auch immer. Tzzz… Aber man gewoehnt sich ja an alles. Man faellt hier eben sofort auf.

Trotz der eben erwaehnten Enttaeuschungen hat sich der Trip vollends gelohnt. Jedes lateinamerikanische Land hat seine Eigenheiten, auch wenn man die gar nicht unbedingt an Einzelheiten festmachen kann ist es doch sofort ein anderes Bild, eine andere Atmosphaere, sobald man ueber die Grenze ist. Und 4 Stempel mehr im Pass- sieht langsam aus, als haette ich schon ne Weltreise gemacht.

Besonders zu erwaehnen ist noch der Rest des Wochenendes in Otavalo: Katharina, eine Volontaerin, die mit Laura, Mia und mir (die einzigen „Ueberlebenden“ der Anfaenge im September, alle anderen sind frisch hier…) schon seit September hier war, gab ihren Abschied. Mit einigen Freunden aus San Roque haben wir erstmal wieder die Sonntagsdisko in Atuntaqui aufgesucht, dann ging es zu einem von ihnen nach Hause. Im Dorfladen wurde ne Flasche trago (irgendwas selbstgebranntes hochprozentiges) fuer 2 Dollar gekauft, ein Paar Limonen, Zucker, irgendwelche Kraueter aus dem Garten, und damit kann man dan ausgezeichneten Mojito machen. Mmmmhhh… Bei Wellington zuhause haben wir also mit bis zu 10 Leuten bis nach 1 Uhr nachts (oder 1 Uhr morgens, wie man hier sagt) gesessen, die arme traurige Katharina hat noch Ecuador-baender ins Haar geknuepft bekommen, ich ein Armband, ja und dann? Wie kommt man um 1 Uhr aus San Roque zurueck nach Otvalo? Rufen wir doch mal den don Segundo an, der hat ne Camioneta. Der war zwar schon im Bett und schlief, aber kein Problem, ich zieh mir eben ne Hose an, dann fahre ich euch fuer 6 Dollar zurueck nach Otavalo. Um 2 Uhr waren wir tatsaechlich zuhause, wir haetten sage und schreibe 3,5 Stunden Schlafen koennen, aber wir hatten furchtbar Hunger. Also noch Spaghetti kochen. Mit Kerzenlicht, weil die Gluehbirne in der Kueche ist ja hinueber. Also erst um 3 ins Bett und nur 2,5 Stunden SChlafen. Macht ja nichts, wir muessen ja nur morgen arbeiten. Aber nach 8 Monaten darf man sich auch das mal erlauben. Und so muede war ich gar nicht. Das kam dann erst am Nachmittag, aber so gehts mir jeden Montag nachmittag, ich stelle meinen Rucksack in mein Zimmer, setze mich einen Moment aufs Bett, um die Schuhe auszuziehen- und schlafe ein. Meine Gastfamilie findet das immer sehr witzig, die verstehen einfach nicht, dass man auch um 2 Uhr mittags schlafen kann.

Joa, die restliche Woche war dann wirklich normal- ich habe glaub ich erstmals seit ich hier bin ALLE, ausnahmslos ALLE vorgesehenen Stunden gegeben. Und 3x Nachmittagsunterricht. Die Kinder werden noch richtig gut 🙂 Wird auch langsam Zeit, ich habe naemlich beschlossen nur bis Ende Mai zu arbeiten. Will im Juni doch noch was reisen. Ausserdem stehen mir theoretisch noch 3 Wochen Urlaub zu, die ich nicht genommen habe und im Juni passiert eh nix mehr in der Schule.

Ja, das sind die Plaene. Soweit. Bis naechste Woche!

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