Verfasst von: dina88 | April 26, 2008

..und wieder ein Wochenende in Otavalo!

EIGENTLICH wollten wir ja in die Thermalquellen. Aber wie immer kommt in Ecuador etwas dazwischen, sei es die Gesundheit, das Wetter oder manchmal auch unsere Faulheit. Diesmal war es mal wieder ersteres. Mia quaelt sich immer noch mit den Spaetfolgen einer Lungenentzuendung, mich hats mal wieder magenmaessig etwas erwischt. Nicht schlimm, mir ist nur ein bisschen schlecht die ganze Zeit, aber man weiss ja nie, was da noch kommt. Und Busfahrten auf der Pana sind da auch nicht die beste MEdizin. Aber das wird schon wieder, verschieben wir die Plaene eben um eine Woche. Naechste Woche haben wir eh einen Tag laenger Zeit, der 1.Mai wird naemlich wie alle anderen Feiertage auf den Freitag verlegt. Feiern wir den ersten Mai eben am 2., ist doch kein Problem! Werde mir wohl aber auch den ersten freinehmen, habe ja bisher erst 2 von 17 Tagen Urlaub genommen, weiss gar nicht, wo ich die noch unterkriegen soll. Will ja nicht 3 Wochen frueher SChluss machen.

Hartnaeckig halten sich auch die Geruechte um ein Manu Chao-Konzert am 30. April in Quito, das waere natuerlich der Hammer. DAs Problem ist nur, dass man das nur von irgendwelchen Personen hoert, die es angeblich im Radio gehoert oder im Internet gelesen haben, selbst hoert man aber nie was und saemtliche Ticketverkaeufer haben keine Ahnung. Plakate gibts auch keine. Ich glaube also nicht, dass es dieses Konzert tatsachlich geben wird, auch wenn wir ja das ecuadorianische Organisationstalent schon kennen. Aber andere Konzerte vergleichbarer Klasse, wie das von Maná letzte Woche, wurden auch zumindest einige Wochen im Voraus angekuendigt und es gab sogar einen Vorverkauf. mal schauen was das noch gibt. Warum gibt es ein Konzert in Bogota und im Juni/Juli eine Europatournee, aber kein Konzert in Quito? Zu schade… Wir hatten ja seinerzeit schon ueberlegt, nach Bogota zu fahren, aber das ist ja schon ein heisses Pflaster, so als drittgefaehrlichste Stadt der Welt. Haben wir dann doch drauf verzichtet.

Statt Konzert stand letzte Woche ein anderes Grossereignis an: Atletismo, Sportfest der zona 3 San Pablo, wo wir unsere Kids so lange draufhintrainiert hatten und mein ganzer Unterricht fuer ausgefallen ist. Montag und Dienstag haben wir jeweils den halben Tag damit verbracht, aus Eukalyptuszweigen Laufbahnen zu legen, weil die Kinder so etwas sonst ìm Sportstadion zu Otavalo das erste Mal gesehen haetten. unsere bereits in der vorherigen Woche ausgehobene und mit Sand aufgefuellte Weitsprunggrube war nur noch ein Schlammloch, auch hierfuer musste eine Loesung gefunden werden. Heben wir doch die SPitze von diesem Kiesberg dort ab und lassen die Kinder vom Hang dort draufspringen. Super Training. Auch das Sportstadion in Otavalo konnte aber mit europaeischen Standards kaum mithalten. Von wegen Tartanbahn, gelaufen wird auf bruechigem Asphalt mit einigen Schlagloechern und ner Menge Rollsplit, nur die inneren 4 Bahnen sind noch vollstaendig erhalten und koennen fuer Staffel etc. genutzt werden. Was natuerlich alles furchtbar in die Laenge gezogen hat, auch ist man hier nicht in der Lage, 2 Disziplinen gleichzeitig ablaufen zu lassen, nein, alles schoen hintereinander, ueber 2 Tage verteilt, obwohl nur etwa 100 Kinder von 5 Shulen teilgenommen haben. Mia und ich haben uns etwas gelangweilt, waehrend meine Lehrerinnen an ihrer eigenen Dummheit verzweifelt sind. Entschuldigung, aber das kann man nicht anders sagen. Als wir die Nomina, die Starterliste, erstellen mussten, hatte ich ihnen gesagt, sie sollten sich vielleicht aufschreiben, welche Kinder sie fuer welche Disziplinen angemeldet haben, damit sie das nicht vergessen, die Kinder selber wissen das eh nicht, damit man sie entsprehcend vorbereiten kann und weiss, welche Kinder man nun losschicken muss, wenn zur Maedchenstaffel aufgerufen wird. Aber nein, wir wissen das doch und die Kinder auch, die Listen wurden abgegeben 10 Tage vor dem grossen Tag, die Kinder wurden trainiert, so wie sie sich das wieder zusammengereimt haben, nur leider trainierte man so die Kinder fuer Sprint, die eigentlich fuer 1200m angemeldet waren und umgekehrt. Beim Atletismo gab es dann grosses Chaos, weil man wie gesagt nie wusste, wo man welches Kind jetzt hinschicken musste. Ich habs euch doch gesagt! Da hatte ich aber keinen Vertrag mehr mit, ich habe gemuetlich mit Mia auf der Tribuene gesessen und mit den Kindern um die Wette Wassereis gelutscht.

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Die Attraktion des Tages war zweifelsohne der juengste Teilnehmer, der kleine Lenin (ja, ich weiss dass das ein geschmackloser Name ist, aber sagt das mal den Ecuadorianern, Lenin ist fast so beliebt wie (E)stalin…) aus Ucsha. Gerade mal  5 Jahre alt, streng genommen noch nicht mal in der Schule sondern in der Vorschule, laeuft aber genauso schnell wie die 10-11jaehrigen, auch wenn er nur halb so gross ist. Den Auftritt wollten wir ihm bieten und haben ihn in die Staffel gesteckt. Dort stand er dann, mit seinem Fussballtrikot, was ihm bis ueber die Kniekehlen geht und der Fussballhose, die bis zum Fussgelenk reicht und immer wieder herunterrutscht, weil sie natuerlich auch eher fuer 10jaehrige gedacht war. Aber stolz wie ein SChneekoenig. Von seinen Kollegen wird er zwar eher als Maskottchen missbraucht, aber das macht ihm gar nichts. Wir hatten so gut geuebt, eigentlich haette gar nichts schieflaufen koennen. Und er macht das auch ganz toll, wartet brav auf der ihm angewiesenen Position, Ucsha fuehrt, und was macht der doppelt so alte Bryan? Legt das Staffelholz nicht richtig in das kleine Haendchen und es faellt zu Boden. Ein Aufschrei geht durchs Publikum, blitzschnell hat unser Speedy Gonzalez es zwar wieder in der Hand, aber natuerlich waren die anderen SChulen laengst vorbeigezogen. Aufholen konnte er dann wirklich nicht mehr, das ist wirklich nicht im Bereich des moeglichen. So verloren wir die Staffel, doch der Kleine hat natuerlich von allen Seiten einen Extra-Applaus bekommen. Was ihm aber furchtbar peinlich war, er wusste ja, dass nicht alles so perfekt gelaufen war, und ist schnurstracks zu seiner Mami gerannt um sein Gesicht in ihrer Bluse zu vergraben. Dem grossen Bryan wurde zur gleichen Zeit ordentlich die Ohren langgezogen, dass die Lehrerinnen nicht das grosse Schullineal ausgepackt haben war auch alles. Tat mir ein bisschen leid!

Freitag haben wir uns den Stress dann erspart, nun hat tatsaechlich „Pachamanka“ stattgefunden, das Kochen in der Erde. Zuerst ein grosses Feuer gemacht, in dem die Steine erhitzt wurden. Das Loch war schon ausgehoben, dort kamen dann nach einem speziellen Ritual die heissen (fast rotgluehenden) Steine rein, dann das Essen drauf (Huehnchen eingewickelt in Kohlblaetter, Kartoffeln, Moehren, Maiskolben, Bohnen und noch ein paar spezielle Andenprodukte deren Namen euch eh nichts sagen wird. Darauf nochmal Steine, Maisblaetter, ein Bettlaken, eine Strohmatte und dann ganz viel Erde, damit der Dampf nicht entweicht. Eine halbe Stunde wurde dann Musik gemacht und ums Erdloch getanzt, der Leiter der Zeremonie barfuss auf der Erde ueber dem Loch, was wir uns in der Kaelte und im Matsch und Regen nicht antun wollten (obwohl die Erde recht schnell ziemlich warm geworden ist!), alles sehr indianisch, und dann wurde das Essen wieder ausgebuddelt und war richtig gar und richtig lecker! Leider haben wir natuerlich alle einen Riesenteller bekommen, was meinem eh schon leicht angeschlagenen MAgen wohl nicht so gut getan hat. Vor der Camionetafahrt nach Hause hatte ich etwas Angst, so eine halbe Stunde stehend ueber Stock und Stein, aber auch das habe ich ueberstanden.

Gestern abend waren wir dann noch mit ein paar Freunden weg, erst ein paar Bars und dann die Konkurrenzdisko unserer Lieblingsdisko unsicher machen, weil da freitags einfach mehr Leute sind. Bis halb 1 haben wir uns richtig amusiert, viel Salsa und Merengue getanzt, dann ging leider die Musik mitten im Lied aus und das Licht an. Was ist das? Normalerweise gehts doch bis 3? Und da hoerte man auch schon die Streitereien in der oberen Etage, alle Leute schnell raus, Pruegelei! Den Ernst der Sache habe ich erst kapiert, als jemand mit nem Baseballschlaeger die Treppe runter kam. Hilfe, raus hier! Draussen wurden auch schon Flaschen geschmissen, schnell ausser Reichweite, ab nach Hause! Diesmal waren wir sogar mit dem Auto da, bzw. der Bruder eines Freundes. Mit dem waren wir vorher schon von einer Bar zur naechsten gefahren. Ein klappriger Jeep, normalerweise fuer hoechstens 5 Personen gedacht – es passen aber auch 9 rein! 3 vorne, 1-2 im KOfferraum( der auch kein richtiger Kofferraum ist sondern nur ne kleine Ablage…)  und 4-5 auf der Rueckbank. Ich natuerlich immer zuoberst, da ich selbst hier meist noch die kleinste und leichteste bin. ZUmindest wenn keine ecuadorianische Frau dabei ist. Die meisten Maenner sind aber auch nicht viel groesser als ich. Zuletzt habe ich einen gesehen, der kam mir vor wie ein Riese, als ich aber dann genauer geschaut habe bin ich zum Schluss gekommen, dass der auch nicht groesser sein kann als 1,80m. Aber sowas ist man nicht mehr gewoehnt. Hilfe, wie wird das bloss in Deutschland? Muss noch die letzten 2 Monate geniessen, wo die Kinder englische Saetze bilden wie „Dina is tall…“ Das tut gut!

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So, das wars dann auch von diesem Wochenende! Naechstes werde ich mich dann hoffentlich nicht melden, weil ich mich endlich im Thermalbad entspannen will!

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Responses

  1. hallo dina!
    ich lese immer total begeistert deine berichte, da ich im sommer auch nach ecuador gehen werde und ich kann nur sagen ich finds toll was du machst.
    ich weiß nicht wann du die kommentare liest, aber ich wollte schnell sagen, dass das konzert in quito von dem du geredet hast meines wissens schon vor 10 tagen war. die freundin meiner schwester ist gerade in quito und hat auf ihrer homepage von dem konzert berichtet…. ich denke das war das was du meinst…

    viele grüße, annika 🙂


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