Verfasst von: dina88 | März 10, 2009

Bericht Pfarrbrief Ittenbach – März 2009

Über den Wolken…

Mein Freiwilligendienst in Ecuador

Wie ich auf die Idee kam, nach Südamerika zu gehen, weiß ich eigentlich gar nicht mehr, jedenfalls habe ich das bereits vor vielen Jahren entschieden, und nichts und niemand konnte mich davon abhalten; nicht die nervenaufreibende Suche nach seriösen Organisationen und Projekten, nicht der Marathon an Behördengängen, Arztbesuchen und Einkäufen, und nicht einmal die Horrorgeschichten im Vorbereitungsseminar über Kriminalität, gefährliche Tiere und Krankheiten.

Die Entscheidung fiel letztendlich auf Ecuador, das zweitärmste Land Südamerikas, und den Schweizer Verein Cielo Azul, der auf verschiedene Arten die Gemeinden um die Stadt Otavalo herum unterstützt. Das Hauptprojekt besteht darin, in jede dieser Gemeinden einen Volontär zu schicken, der an den jeweiligen Schulen das unterrichtet, was die Lehrer dort nicht leisten können oder wollen, meist Englischunterricht. Dieser ist notwendig, damit die Kinder später ein Colegio, eine weiterführende Schule besuchen können, was dort leider immer noch die Ausnahme ist. Auf der einen Seite kann so direkt die Bildung der Kinder unterstützt werden, auf der anderen Seite kann dann das Vertrauen, das Kinder und Eltern zum Volontär aufbauen, auch dafür genutzt werden, für verschiedene Probleme zu sensibilisieren, wie z.B. Ernährung, Hygiene, (Weiter-)bildung von Kindern und Erwachsenen, häusliche Gewalt, Alkoholismus und sexuelle Aufklärung.

Ich selbst wurde in Uksha eingesetzt, einer kleinen Gemeinde, eine Stunde Busfahrt und eine Stunde Fußweg von Otavalo entfernt, etwa 3500m über dem Meeresspiegel, weshalb ich mich je nach Wetterlage entweder unter, über oder auch mitten in den Wolken befand. Hier unterrichtete ich 10 Monate lang in einer kleinen Dorfschule das 1.-6. Schuljahr in Englisch und Sport, und, je nachdem, welche Lehrerinnen gerade anwesend waren oder eben nicht, auch alles andere. Am Nachmittag gab ich weiterführenden Englischunterricht an alle interessierten älteren Schüler. Den Rest des Tages verbrachte ich mit meiner Gastfamilie und half, wo auch immer ich helfen konnte. Mit der Zeit lernte ich so, Mais zu säen, Kartoffeln zu ernten oder Schafe zu hüten. Das Wochenende verbrachte ich in Otavalo zusammen mit meinen „Kollegen“ im Freiwilligenhaus, oder auch gerne mit diversen Reisen durch dieses faszinierende, vielfältige Land: durch das Andenhochland, an die Pazifikküste oder in den Regenwald.

Oft werde ich gefragt, wie ich das überhaupt ausgehalten habe. Das Leben in diesen Gemeinden ist sehr einfach, oft gibt es keinen Strom und kein fließendes Wasser, die Ernährung besteht hauptsächlich aus den eigenen Produkten wie Kartoffeln und Mais und ist sehr eintönig, die Häuser sind nicht isoliert und schon gar nicht geheizt, die Dächer sind undicht, das Bett teilt man sich mit Flöhen, die Kinder in der Schule lernen schlecht, können sich nicht konzentrieren, die Lehrerinnen sind unmotiviert und schlecht ausgebildet, eigene Ideen lassen sich deshalb schwer umsetzen. All diesen Leuten sage ich, dass mir das alles nichts, oder fast nichts, ausgemacht hat. Der blaue Himmel, die atemberaubende Berglandschaft, die Dankbarkeit der Kinder und der Eltern, das ruhige, stressfreie Leben fernab von allem Trubel wiegt dies alles auf. Einige Male konnte ich einfach nur den Kopf schütteln, und immer wieder wurde mir bewusst, dass die Flugzeit von nur 12 Stunden völlig verschleiert, wie weit dieses Land, diese Welt überhaupt entfernt ist.

Das Leben dort ist fast perfekt. Aber nur fast. Das größte Problem besteht wohl darin, dass diesen Menschen dort vorgelebt wird, wie ihr Leben sein muss: Dass sie einen Fernseher brauchen, den man dort seitdem in jeder Lehmhütte findet, und dass ein Handy wichtiger ist als die Schulhefte für die Kinder. Dass ihre uralten Traditionen und ihre Sprache, das Quechua der Inka, schlechter sind als das Spanische. Hieraus resultieren Probleme wie z.B. der Alkoholismus.

Sicher gibt es auch andere Probleme: Wenn der Stier stirbt, ist das für eine Familie dort eine mittlere Katastrophe, wenn die Lebensmittelpreise wie im letzten Jahr um 50% steigen, treibt das viele Familien an den Rand des Existenzminimums.

Der Weg aus dieser Misere hinaus ist lang und steinig und führt nur über die Bildung. Langsam geht es voran, und wenn nur ein Kind mehr pro Gemeinde jedes Jahr zum Colegio geschickt wird, ist das für Cielo Azul ein Erfolg.

Ich selbst habe aus diesem Jahr also nicht nur mitgenommen, mich mit kleinen Dingen zufriedenzugeben und auf all unseren Luxus zu verzichten, sondern auch, mich mit kleinen Erfolgen zufriedenzugeben. Auch wenn mein Lohn aus nicht mehr bestand als aus einer handbestickten Tischdecke, die mir eine in Tränen aufgelöste Mutter am Ende mit den Worten übergab „wir haben nicht viel, was wir geben können, aber was wir geben können, das geben wir“, weiß ich, dass sie mir damit wahrscheinlich viel mehr zurückgeben, als ich ihnen je geben konnte.

So schwer mir im September 2007 mein Abschied von meiner Familie gefallen war, so schwer fiel mir im Juni 2008 der Abschied von Ecuador. Von all den liebgewonnenen Freunden, von den Kindern, von meiner Familie dort. Oft habe ich noch Heimweh, und ich sage bewusst Heimweh und nicht Fernweh. Es war jeden Euro, jede Träne und jeden Flohstich wert, und ich kann nur jeden jungen Menschen dazu ermutigen, einen solchen Schritt zu tun.

Wer genauer wissen möchte, was ich dort erlebt habe, oder Fotos sehen möchte, kann sich gerne meinen Blog anschauen (www.dina88.wordpress.com). Auch der Verein Cielo Azul freut sich über Besucher seiner Website (www.cieloazul.ch) oder die ein oder andere Spende zur Unterstützung der Projekte.

Verfasst von: dina88 | März 10, 2009

Mehr Fotos und ein kleiner Bericht…

Hallo nochmal an alle Interessierten!
Ich schätze mal, dass sich in der nächsten Zeit, aufgrund meines Artikels im Pfarrbrief in Ittenbach, vielleicht wieder ein paar mehr Leute auf diese Seite verirren. Deswegen werde ich jetzt hier nochmal ein bisschen Energie reinstecken, um es noch etwas anschaulicher machen…

Leider war es im letzten Jahr noch sehr schwer, Fotos in die Berichte zu integrieren bzw. überhaupt Fotos hochzuladen. Das geht jetzt sehr viel einfacher und deshalb habe ich mir überlegt, und auch schon angefangen, nachträglich noch ein paar Fotos einzubauen… Es gibt also Neues zu entdecken 🙂

Weiterhin lade ich noch den Bericht für den Pfarrbrief hoch.

Verfasst von: dina88 | Juli 13, 2008

Kleiner Nachtrag

Nachdem ich nun schon gut 2 Wochen wieder in Deutschland bin und seit etwa 6 Wochen nichts mehr geschrieben habe, muss ich doch noch einen kleinen Nachtrag machen. Nachher denkt noch jemand, ich sei vom Imbabura gestürzt oder abgetaucht oder sowas…Halt! Stop! gerade fällt mir hier auf, dass ein Artikel, den ich noch Mitte Juni geschrieben habe, gar nicht veröffentlicht worden ist. Welche Frechheit… Also, der mit „Eine Busfahrt, die ist lustig“ betitelte Artikel ist von Mitte Juni und nicht, wie WordPress nun fälschlicherweise behauptet, von heute. Aber so muss ich wenigstens nun die ersten 2 Juniwochen nicht mehr zusammenfassen…

Nun also zu den letzten beiden: Wie schon vermutet, musste das Zelten auf dem Imbabura dank ecuadorianischen Organisationstalenten ausfallen – jedoch haben wir es uns nicht nehmen lassen, die Expedition ganz abzusagen, und in deutsch-schweizerischer Zusammenarbeit wenigstens eine Besteigung des Vulkans ohne Übernachtung zu planen und tatsächlich durchzuführen. aufgrund falschem Zeitmanagement (vielleicht sind wir doch schon zu lange in Ecuador…) haben wir es zwar nicht bis auf die Spitze (4609m) geschafft, aber doch auf geschätzte 4000, und das war auf jeden Fall ein Erlebnis, was alle Mühe wert war. Der Blick von dort oben ist einfach gigantisch. Ob mit Wolken (weil wir waren höher!), oder ohne. Und wer weiß, da ich sicherlich nicht das letzte Mal in Otavalo war und auch aus unseren Fehlern lernen kann, vielleicht schaffe ich es ja doch noch mal bis ganz nach oben. Wäre ein Ziel…

Am nächsten Tag musste ich leider schon wieder um 5 Uhr aufstehen (während meine Leidensgenossinen weiterschlafen durften. grrrr…), denn es war ja das Abschiedsfest in der Schule geplant. Gefreut habe ich mich ehrlich gesagt gar nicht so sehr, weil ich wusste, dass es für mich ein sehr schwerer Tag sein würde. Jetzt hatte ich die Kinder schon 3 Wochen nicht gesehen, sie freuten sich alle so, dass ich wieder da war, und ich auch- und nun musste ich mich endgültig verabschieden. Es war ein wirklich schöner, aber sehr trauriger, tränenreicher Abschied. Nach zahlreichen Dankesreden der Lehrer und Eltern bekam ich ein (zugegeben etwas kitschiges, aber mit viel Mühe handgefertigtes) Abschiedsgeschenk: Eine große bestickte Tischdecke und ein paar kleine Deckchen/Servietten oder was auch immer man damit machen soll. Wirklich lieb. Und dann kam es doch noch- das Meerschweinchen. Bzw. die Meerschweinchen. Gleich 5 an der Zahl, auf einem riesigen Berg Kartoffeln plus 10 hartgekochte Eier- ein Festessen. Zwar alles als Geschenk für mich gedacht, aber Gott sei Dank wurde mir gleich beim Überreichen gesagt, ich dürfe auch den anderen Lehrern was abgeben. Und dann gibt es ja auch noch die gute alte Plastiktüte. In Ecuador völlig normal und an der Tagesordnung. Viel höflicher, als den REst zurückzugeben, und man braucht noch nicht einmal sagen, das sei für den Hund 🙂 So viele Meerschweinchen sind eine große Ehre, und ein großes DAnkschön, aber nicht nur das- ein paar Tage vorher hatten wir noch gelernt, wenn man ein Meerschweinchen bekommt, sei das „nur“ eine Ehre. Wenn man mehrere bekommt, und diese akzeptiert, annimmt, ist es ein Vertrag, den man mit der Gemeinde eingeht. Ich hatte schon etwas bedenken, sie wollen jetzt, dass ich ihnen Tische und Stühle für den Essensraum schenke oder einen neuen Fußballplatz- aber nein, in dem Fall war es einfach nur ein Dankeschön. Mit einer kleinen Bitte- ich muss wiederkommen. Aber diese Verpflichtung gehe ich gerne ein 🙂 Trotzdem war es letztendlich schwer, mich dann wirklich aufzuraffen und zu gehen. Viele Kinder liefen mir noch ein Stückweit hinterher- die Großen bettelnd, bleib hier, geh nicht weg, bleib bei uns. Ein kleines Grüppchen blieb am Schultor stehen, nachdem ich mich schweren Herzens aufgerafft und weitergegangen war, ruft Marta noch einmal: Senorita!!! und ich musste mich doch noch einmal umdrehen. „Quedate nomas!“ was soviel bedeutet wie „bleib doch einfach hier.“ Noch mehr als das, man kann diese eigentlich grammatikalisch völlig unsinnige, aber so typisch ecuadorianische Form nicht übersetzen, nomas, mach dir keine Sorgen, keine Gedanken, tus doch einfach! Und wäre das ganze jetzt ein Film gewesen, ich hätte in diesem Moment wohl umkehren und wirklich dableiben müssen. Und hätte glücklich und zufrieden bis ans Ende meiner Tage in Ecuador gelebt. Aber es war nun mal kein Film, und ich bin und bleibe wohl eine Deutsche, und so blieb mir nichts anderes übrig als noch einmal traurig zurückzulächeln und meinen Weg fortzusetzen. Meine letzte Erinnerung an ucsha sind dann die Kinder, die ich weiter unten noch getroffen habe- etwas kleiner, und sie hatten wohl trotz des Abschiedsfestes nicht verstanden, dass ich jetzt nicht mehr wiederkomme. HAsta lunes riefen sie mir noch hinterher, bis MOntag! Na dann, bis Montag!

Am WOchenende ging es dann Gott sei Dank nochmal etwas lustiger zu: Samstag noch einmal fleißig Marktshopping, Samstagnacht ein letzter Jampa-Abend und Sonntag ging das INti Raymi-Fest los, mit rituellem Bad um Mitternacht im Wasserfall- wir natürlich voll dabei. Auch wenn es etwas (aber nur ein kleines bisschen ;-)) kalt war, unsere Klamotten im Matsch gelagert waren und wir erst nach langem Suchen jeder wieder seine eigene Jeans, sein eigenes T-Shirt und die eigenen Socken gefunden hatten und wirklich alles schlammig und nass war und auch noch mein Bikini-oberteil im Umzieh-Chaos verschwunden ist, war es ein einmaliges Erlebnis. Und das Verschwinden sollte wohl so sein- denn vorher hatte man uns erst erzählt, dass die ganze schlechte Energie, die das rituelle Bad jetzt aus uns herausgewaschen hat, in unserem Bikini hängengeblieben ist und wir den jetzt nicht mehr anziehen dürfen- wer weiß, welcher unserer  „Freunde“ sich dann gedacht hat, wenn die gringa auf den Rat nicht hören will, müssen wir eben nachhelfen… 🙂 In diesem Fall kann ich ihm verzeihen, vielleicht sollte es auch so sein. Der Verlust hat auf jeden FAll der Stimmung keinen Abbruch getan, bis  5 uhr morgens wurde gefeiert und getanzt- von einem Haus zum nächsten.

Auch die nächsten Tage waren neben Kofferpacken vor allem vom Inti Raymi/SAn Juan- Tanzen geprägt, und so verging die Zeit einfach rasend schnell. Manch Ecuadorianer wird sich gefragt haben, was das für eine komische Truppe gringas ist, die donnerstags mittags mit Unmengen (wirklich Unmengen!) Gepäck an der Panamericana in den Bus steigt, die ganze BUsfahrt über abwechselnd lacht und weint und im breitesten Otavaleno-Spanisch sämtliche typischen Redewendungen ins Gedächtnis ruft, Unmengen Wassereis von den Busverkäufern kauft (diesen Service muss man ja noch ein letztes Mal genießen) und dann auch noch den Schleichweg zum Flughafen kennt…

Ja, und dann war es soweit. Por favor, cierre el cinturon de seguridad. SChließen Sie den Sicherheitsgurt, ab nach Europa. Das war schon ein komisches Gefühl. Viel komischer noch als beim Hinflug- und mit so viel Gedanken im KOpf vergingen die 12 Stunden nach Spanien dann doch recht schnell. Dort dann schon der erste Kulturschock: Alle Leute auf einmal so groß, so hell, so schnell, so schick, so hektisch… Was ist passiert, wo bin ich? Ein paar Stunden später waren wir auf einmal wieder in Deutschland.

Ja, und da bin ich. Vorher hatte ich ja gedacht, ich würde nun von allen möglichen Leuten, die vielleicht nicht immer mit mir in KOntakt standen, gefragt, uuuuuund, wie wars? Die Frage kommt -Gott sei Dank- nicht so oft, und ich weiß immer noch nicht, was ich darauf antworten soll. Viel eher aber werde ich komischerweise gefragt, uuund, jetzt bist du aber schon froh, wieder zuhause zu sein?… und auf die Frage weiß ich noch viel weniger eine Antwort, kann doch niemand nachvollziehen, dass ich jetzt viel lieber noch in Otavalo wäre- natürlich freue ich mich, wieder bei meiner Familie, meinen Freunden zu sein. Nicht dass jetzt jemand denkt, ich würde hier schlecht behandelt. Nein, alle sind furchtbar lieb zu mir. Aber Ecuador ist halt irgendwie doch viel cooler als Deutschland 🙂

Ja, was jetzt noch fehlt, ist ein zusammenfassender Abschlussbericht, der wird auch ganz sicher noch kommen. Das schiebe ich jetzt schon die ganze Zeit vor mir her, aber auch Cielo Azul und yap wollen natürlich einen Bericht haben, also muss ich das auch noch machen. Und den dann auch noch hier veröffentluchen´. Also , es lohnt sich, vielleicht in 2 Wochen nochmal hier vorbeizuschauen. Vielleicht lade ich ja auch noch im Nachhinein das ein oder andere FOto.

Alle, die mehr wissen wollen, sind natürlich herzlich eingeladen, bei mir vorbeizuschauen, oder mir zu schreiben, oder anzurufen, oder wie auch immer. Emailadresse habt ihr ja. Ich freue mich auf euch!

Verfasst von: dina88 | Juli 13, 2008

Eine Busfahrt, die ist lustig…

So,  hiermit melde ich mich zurueck aus dem Urlaub! Der mit einer sehr lustigen Busfahrt angefangen hat…

Der erste aussergewoehnliche Zwischenfall war, dass wir in Otavalo an der Strasse gestanden haben, und 45 Minuten lang kein einziger Quito-Bus vorbeigefahren ist. Obwohl diese normalerweise alle 5 Minuten kommen. Aber gut, das war noch kein grosses Problem, als wir keine Lust mehr auf Warten hatten, sind wir zur Pana gelaufen, wo nach 15 weiteren Minuten (sehr merkwuerdig…) ein Bus aus Ibarra vorbeikam, der uns noch mitgenommen hat.

In Quito lief eigentlich alles ohne Probleme, Ticket gekauft, Bus gefunden, wir wollten unsere Rucksaeckt abgeben, damit sie unten im Gepaeckraum mitfahren – aber nein, alles voll, ihr muesst die Rucksaecke mit nach oben nehmen. Die naechste unangenehme Ueberraschung: Unsere Plaetze waren in der letzten Reihe, gleich neben dem Klo. Umgeben von lauter Gepaeck, was man schon nicht mehr unten hatte unterbringen koennen, so dass wir noch nicht mal unsere Rueckenlehnen nach hinten stellen konnten. Bei einer Nachtfahrt sehr unangenehm, die ganze Zeit kerzengerade sitzen zu muessen. Vor allem, wenn derjenige, der vor dir sitzt, seinen Sitz so weit nach hinten klappt, dass er quasi auf deinem SChoss liegt. Ohne zu fragen natuerlich.

Das naechste Problem: Irgendwie hatten sie sich mit dem Ticketverkauf und der Vergabe der Plaetze vertan (Ecuadorianer sind halt nicht so gut im Zaehlen :-)), jedenfalls waren manche Plaetze doppelt vergeben, andere gar nicht, und es kam zu einigen Diskussionen. Der Busfahrer war ueberzeugt, es gaebe genug, man mueste sich nur anders verteilen, und ist im Vertrauen darauf schonmal losgefahren. Leider fehlte dann doch genau ein Platz, und es stellte sich heraus, dass dies aber niucht Schuld des Busunternehmens war, sondern der Frau, die den Platz besetzt hatte- sie hatte naemlich ein Ticket fuer den Bus um Mitternacht, war aber in den um 23 Uhr eingestiegen. Der arme Mann, dem der Platz eigentlich zugestanden haette, stand nun im Gang. DA konnte er aber schlecht stehen bleiben waehrend der 9 Stunden bis nach Cuenca. Die Frau aber weigerte sich schlicht und einfach, wieder auszusteigen. Das wurde dem Busfahrer nach einer halben Stunde dann doch zu bunt, und er fuhr die naechste Tankstelle an, um die Frau aus dem Bus zu schmeissen. Sie wollte aber selbst unter Androhung von Polizei ihren Platz nicht verlassen. Das wurde dann der Frau vor uns zu bunt, eine Afro-Ecuadorianerin, also eine Schwarze, die das als Schande fuer die SChwarzen sah, da die Frau vorne auch eine Schwarze war. Sie wollte nun die Angelegenheit unter Ihresgleichen regeln, im breitesten Afro-Slang- einfach nur lustig anzusehen, Mia und ich haben uns koestlich amuesiert und alles auf Kamera festgehalten. Das ganze endete fast in einer Schlaegerei, irgendwann haben aber alle aufgegeben, der Mann hat sich irgendwo in den Gang gesetzt und der Busfahrer ist weitergefahren.

Nach ein paar Stunden sind die ersten auch schon wieder ausgestiegen, also musste der arme Kerl doch nicht 9 Stunden im Gang sitzen. Der Nachteil daran war, dass jedesmal, wenn jemand aussteigen msuste, wir unsere Plaetze raumen mussten, ad dort hinter und drunter ja das ganze Gepaeck gelagert war- also alles ausrauemen, Taeschchen von unten rauskramen, wieder zurueckrauemen und weiterschlafen. Wenn da nicht das Klo gewesen waere. Auch das war gut besucht, jedoch war die Tuer nicht so leicht zu oeffnen, woran einige gescheitert sind und eine der afrikanischen Mamis vor uns wieder aufgestanden ist und sich mit aller Kraft dortgegen geworfen hat- nur so ging die bloede Tuer naemlich auf. Zu allem Ueberfluss hat sich auch noch der Ayudante, also der Helfer vom Busfahrer, irgendwann neben uns in den Gang gelegt – und dort sehr gut geschlafen, waehrend ich kein Auge zugekriegt habe. Ich war froh, als wir um 8 Uhr morgens endlich in Cuenca angekommen waren!

Die paar Tage dort waren zum GLueck sehr erholsam, obwohl wir mit einem kleinen Kulturschock kaempfen mussten- Cuenca ist eine sehr europaeische Stadt, alles tiptop sauber, alle Haueser in super Zustand, Cafes und Bars an jeder Ecke, schicke Laeden, sogar der Markt ist 10mal hygienischer als in Otavalo. An sich ist das ja alles sehr positiv- trotzdem fehlte uns etwas das Ecuador-Flair. An einigen Ecken denkt man echt, man sei in Wien oder Muenchen oder so.Im Cafe austria kann man sogar warmen Apfelstrudel mit Vanilleeis essen. Oder Linzer Torte. Oder Rindergulasch. Es gibt einen Touri-Bus wie in Hamburg oder Berlin oder so, rot und zweistoeckig, mit dem man Stadt- Rundfahrten machen kann. Haben wir sogar gemacht, aber wir haben uns dabei furchtbar gefuehlt, furchtbar touristisch…

Trotz all dem, was uns auf einmal merkwuerdig vorkam, haben wir die Zeit genossen. Cuenca ist eine schoene Stadt, man kriegt nicht so den Grossstadt-Koller wie in Quito, nur auf die Autos muss man aufpassen. In Otavalo gibts nur Einbahnstrassen, und wir wissen mitlerweile, aus welcher Richtung die Autos kommen, aber die Kombination aus engen, zweispurigen Strassen und dem ecuadorianischen Fahrstil ist nicht ganz ungefaehrlich. Wenn man alle Kreuzungen ohne Unfall ueberquert, kann man sehr gut einkaufen gehen, viele schoene Laeden, im ecuadorianischen Vergleich teuer, aber bessere Qualitaet, und wo in Deutschland kriege ich nen schicken, warmen Wollpulli fuer 20 Dollar, bzw. 13 Euro? Also noch schnell Konto pluendern, jetzt sinds ja nur noch 2 Wochen…

Essensmaessig waren wir auch ganz schlau, haben uns ein (sehr empfehlenswertes) Hostal mit Kueche gesucht, billig Gemuese auf dem MArkt gekauft, uns 4Tage wahlweise von Gemuesesuppe oder Nudeln mit Gemuesesosse ernaehrt, und das so gesparte Geld im Eiskaffee gelassen. Mmmmhhh…

Am Mittwoch ging es weiter nach Latacunga, obwohl eigentlich nur 3/4 der Strecke haben wir wieder 9 Stunden gebraucht. Warum muss der Busfahrer auch 1. an jedem Kiosk anhalten, um Kartoffelchips zu kaufen und 2. an jeder Marienstatue, um sich zu bekreuzigen und die arme Maria abzuknutschen? Und dann auch noch PAUSE. Tatsaechlich, die erste Pause waehrend einer Busfahrt in Ecuador. Und wofuer? Natuerlich, ein kraeftiges Almuerzo, also Mittagessen, darf nicht fehlen. Auch wenn alle am Morgen schon ueberteuerte Schokoriegel gekauft haben, weil der Verkaeufer vorher im BUs so tolle Zaubertricks aufgefuehrt hat.

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Am Donnerstag morgen war Markttour angesagt in Saquisili, nahe Latacunga, der groesste Markt des Andenhochlandes, und nicht so touristisch wie Otavalo. Wir hofften auf Otavalo-Ware, obwohl es eigentlich verrueckt ist, die dort zu kaufen. Aber es ist nunmal billiger. Als der Otavaleno dort dann merkte, dass wir in den Gemeinden von Otavalo arbeiten und mit ihm ueber seine Heimat plaudern konnten, wurde es auch gleich noch billiger… Ansonsten gabs viele Tiere zu sehen, viel Obst und Gemuese, ganz interessant: Koerbe und Toepfe und aehnliches aus alten Autoreifen. Auch sowas wird dort auf dem Markt verkauft. Sieht lecker aus…

Zurueck in Latacunga haben Mia und ich uns getrennt. Mia wollte schnell zurueck nach Hause (ist ja dann auch nicht mehr sooo weit, nur noch 5 Stunden. Das Zeitgefuehl aendert sich hire etwas…) und ich wollte Fussball gucken. Als ich die Hostal-Besitzerin gefragt habe, wo ich das denn wohl tun koennte,das Zimmer hatten wir ja schon geraumt, hat sie mich in ihr Schlafzimmer gefuehrt und mir noch nen Saft serviert. Dort habe ich dann die naechsten 2 Stunden verbracht. War ganz nett, auch wenn natuerlich mit nicht ganz so erfreulichem ERgebnis.

Gegen abend war ich wieder „zuhause“ in Otavalo. So fuehlt es sich an. Wenn wir ja nur 2 Tage von hier weg sind, habe ich Heimweh. Aber jetzt ist ja wieder gut…

Wenn alles gut geht, findet morgen unsere Tour auf den Imbabura statt. Im Moment sieht es allerdings nicht so aus, als wuerde alles gut gehen. Zwar spielt ausnahmsweise das Wetter UND die Gesundheit mit, aber naja.. Ecuadorianisches Organisationstalent. Alle Ecuadorianer, die mitwollten, muessen auf einmal doch arbeiten morgen oder heute nacht oder wie auch immer. Diesmal bin ich wirklich sauer… Nur mit Mia und Laura wollen wir nicht, weil wir uns ueberhaupt nicht auskennen und das recht gefaehrlich werden kann. Und ein Fuehrer kostet 50 Dollar pro Person, ads ist reine Abzocke. Und ausserdem natuerlich nicht so schoen, wie es waere, wenn wir mit allen Freunden von hier gehen und dort oben zelten wuerden. Ich werde dann berichten, was noch draus geworden ist!

Mal wieder liegt eine recht ereignisreiche Woche hinter mir. Fangen wir doch beim Montag an:

5:30 Uhr aufstehen. Kaum aus dem Bett gekommen, die einzige Hoffnung: Es ist das aller-, allerletzte Mal… Mit viel Gepaeck zum Bus, da ich ja diese Woche meinen Abschied in der Schule feiern wollte.

7:30 Uhr: Ankunft in Angla mit allem Gepaeck, und dann den Berg hoch. Ausnahmsweise bin ich mal nicht allen davongelaufen, das Antibiotika zeigt seine Wirkung. Ich fuehle mich wieder wie im September, als ich an die Hoehenluft noch nicht gewoehnt war. Wie gut, dass die Referendare/Praktikanten die ganze Woche kommen sollten und ich eh nicht mehr zum UNterrichten kam. Nur noch ein paar Abschlusstests schreiben lassen und entspannen!

14:00 Uhr Der Weg zum Haus war der Hammer… Da haette ich fast ne Sauerstoffmaske gebraucht. Heute nachmittag ins Bett legen und schlafen? Nein, meine Gastmutter ist nun dran mit Backen, und ich wollte ja unbedingt mal mitgehen. Also ab in die Baeckerei. Die ist eigentlich keine Baeckerei, sondern eine „Backstube“ der „Asociacion de mujeres“, der „Frauengemeinschaft“. Die hatten im letzten Jahr vom Staat einen Ofen und sonstige Materialien geschenkt bekommen, um eine microempresa, ein kleines Unternehmen zu gruenden, seitdem gibt es in der comunidad eine kleine Baeckerei, und die laeuft sogar richtig gut. Im ersten Jahr haben sie 2000 Dollar Gewinn gemacht. Oder Umsatz, das konnte mir meine Gastmutter nicht so genau sagen. Jedenfalls ist das wahnsinnig viel Geld hier. Jede Frau muss etwa einen Monat lang alle 1-2 Tage kommen, um 1000 Broetchen zu backen und nun war eben meine Mama dran. Kleines Problem: Es gibt mal wieder kein Wasser aus der Leitung, und die Baeckerei hat kein grosses „Auffangbecken“ wie die Familien. Also sind wir zwei erstmal losgezogen, mit grossen Eimern, bei den benachbarten Familien um Wasser betteln gehen. Das ist dann natuerlich besonders lecker, steht seit Tagen oder auch Wochen im Becken, sieht schon reichlich dreckig aus- aber wir sind ja abgehaertet. Damit werden nun die Broetchen gebacken. 10 libra Mehl (das sind in etwa 5 kg), 2 Stueck „Butter“, SAlz, 1 libra Zucker, Hefe, Wasser, fertig ist der Broetchenteig. Fuer die „Salzbroetchen“, fuer die Zuckerbroetchen entsprechend mehr Zucker. Dieser Teig muss dann zu jeweils ungefaehr 125 Broetchen gerollt werden. Nette Arbeit. DAnn aufs Blech, noch mit Ei bestreichen und ab in den grossen Gasofen. Bis man das  4x durchgezogen hat, sind 5 Stunden vergangen. Und da wir erst um 16 Uhr angefangen hatten, waren wir bis 21 Uhr beschaeftigt. ZU der Zeit schlafe ich normalerweise schon seit fast einer Stunde. Entsprechend muede war ich auch. Aber es hat Spass gemacht und ist echt gemuetlich. Immer kommen irgendwelche Leute aus der Gemeinde an, helfen mit Backen, dann gibts fuer alle nen Taesschen Tee und warme frische Broetchen, abends bringt irgendeine Nachbarin nen Topf Huehnersuppe vorbei. So ist das Leben in Uksha…

Meine Gastmutter beim Brötchenbacken

Dienstag: hat mal wieder kaum Unterricht stattgefunden: Erst haben die Praktikanten unterrichtet, dann kam das Subcentro de Salud, sowas wie die Filiale vom Krankenhaus, um die Kinder zu impfen und entparasitisieren. Gibts das Wort? Egal, ihr wisst, was ich meine. Also Kinder vom 2. und 7. Schuljahr, Gummistiefel aus, auch wenn ihr dreckige Fuesse habt, alle wiegen und messen, dann Hose runter, leg dich hier ueber meinen Schoss, eine Spritze in den Popo und fertig bist du. DAnn haben alls Schulkinder die Tablette gegen die Darmparasiten genommen und noch 4 fuer die Familie zu Hause mitbekommen. Mit dem Hinweis: Wenn die mamacita schwanger ist, darf sie die Tablette nicht nehmen, und eurem papacito muesst ihr sagen, er darf eine Woche keinen Schnaps trinken. Oje, ob das mal gutgeht… Mir wollten sie auch so eine Tablette andrehen und fanden es ganz komisch, dass ich sie nicht nehmen wollte. Gibt doch was umsonst, und du wohnst doch auch hier, du hast doch bestimmt auch alles moegliche. Nein, eben nicht, wir machen regelmassig Tests im Labor und ich habe nichts und nehme nicht einfach eine von diesen Hammertabletten, wenn ich nicht weiss, ob ich sie eigentlich brauche. Konnten sie irgendwie nicht nachvollziehen, aber ich habe mich durchgesetzt. Als das Gesundheitszentrum dann fertig war, kamen noch mehr Aerzte an: Mal wieder ein Team Amis, die sich nuetzlich machen wollten und den armen kleinen Indio-Kindern helfen, damit sie sich toll fuehlen koennen. In diesem Fall war es vielleicht auch ganz gut, sie haben aus unserem Essensraum ne Zahnklinik gemacht und umsonst behandelt. Dann gabs noch ne Zahnbuerste fuer jedes Kind und einen Vortrag zum Thema Zaehneputzen. DAs war in 5 Minuten abgehandelt, danach gabs nen 10minuetigen Vortrag uber die Gesundheit unserer Seele, weil wir ja alle Suender sind und schlechte Menschen und wir muessen alle ganz viel Beten und in die Kirche gehen und alle Mitmenschen zum RICHTIGEN Glauben bringen. Daher weht also der Wind, irgendwelche Evangelisten. So heissen die hier. Hier gibts naemlich nicht katholisch und evangelisch, sondern katholisch und die Evangelisten, gar nicht so wenige, und das sind halbe Sekten, die sind richtig krass drauf… Aber das ist ein anderes Thema.

Nach dieser Gehirnwaesche musste ich jedenfalls nach Otavalo. Eigentlich haette ich naemlich das fuer Freitag vorgesehene Muttertagsprogramm in der Schule verpasst, weil ich reunion gehabt haette, aber meine Lehrerinnen wollten unbedingt, dass ich dabei bin, auch, um meinen Abschied zu feiern. So musste ich mich entschuldigen lassen und als ich die Erlaubnis hatte, noch 6 Plastik-Suppenschuesseln als Preis fuer die Mamas besorgen. Und fuer so einen Bloedsinn zurueck nach OTavalo fahren… Ausserdem musste ich noch nen weiteren Rucksack mit Klamotten fuer Donnerstag hochschleppen, da sollten wir naemlich mit der Schule bei so nem komischen Umzug mitgehen und wenn ich wieder wie beim dia de la bandera mit dreckiger Hose angekommen waere waere das nicht so gut gewesen…

So bin ich wieder mit nem riesigen vollen Rucksack in Angla angekommen, in stroemendem Regen- sehr gut fuer meine Gesundheit. Also so schnell wie moeglich hoch und das war nach einem Tag mehr Antibiotika nicht viel einfacher als am Montag. Im Rekordtempo von 30 Minuten bin ich in meiner Familie angekommen- und hatte dann noch nicht mal mehr Kraft, mir meine Schuhe auszuziehen. Als ich das nach 10 Minuten geschafft habe, bin ich auf mein Bett gefallen und eingeschlafen. Ne halbe Stunde spaeter habe ich mich dann ueberwunden, wenigstens die durchgeschwitzten Klamotten zu wechseln. 6 Tage Antibiotika reichen also und die gute Kondition von 9 Monaten Hoehenluft ist wieder weg. Aergerlich…

Mittwoch: Wieder kaum Schule, hauptsaechlich ueben fuer den Umzug morgen. Hier muss man in solchen Umzuegen naemlich marschieren, links zwo drei vier, und das koennen die Kinder ueberhaupt nicht. Also von morgens 8 bis mittags um 1 marschierend und in 4er-Reihen Runden auf dem Fussballfeld drehen, mit Marschmusik im Hintergrund. Und wenn die Kinder Bloedsinn machen, gibts nen Klaps auf den HIntern mit dem grossen Schullineal- so wird hier gedrillt. Nuetzt aber trotzdem nicht so viel, die Kinder koennen immer noch nicht den Takt halten und das rechte Bein genauso hochheben wie das linke, sieht immer eher nach humpeln aus was die machen, und wenn man dann auch noch die Arme mitbewegen soll, ist das so eine Ueberforderung wie wenn man von einem Kind, was nicht 2+2 rechnen kann nach den binomischen Formeln fragen wuerde. Aber sowas ist hier ja auch nicht ungewoehnlich. Meine Direktorin kann ja auch nicht 27-16 rechnen. Die ist an dem Tag uebrigens 2 Stunden zu spaet gekommen, weil in ihrem Haus vom vielen Regen eine der Lehmwaende eingestuerzt war und sie mit ihrer kleinen Tochter dort die ganze Nacht verschuettet war. Also nicht eingegraben, aber der Weg war ihr abgeschnitten und alle ihre Geschwister mussten die Nacht lang Lehmziegel und sonstige Steine aus dem Weg raeumen um sie wieder zu befreien.

Mittwoch nachmittag war mal wieder backen angesagt, immer noch kein Wasser, immer noch Wasser von den Nachbarn anschleppen, wieder 1000 Broetchen, das Broetchenrollen ist mitlerweile schon Routine. Diesmal war noch eine andere Frau mit dabei, die es allzu gut mit mir meinte und mich 5 Stunden lang mit den frischen Broetchen gefuettert hat, und das darf man ja hier nicht ablehnen. Abends war ich ganz schoen satt, das stopft fast so wie Reis mit Kartoffeln…

Donnerstag: 6:00 Uhr aufstehen und versuchen, mich ohne Wasser, was nun endgueltig ausgegangen war, zu waschen. Na gut, dann eben nicht waschen und so schickmachen. Regenjacke und schicke Schuhe in die Tasche und ab nach San Pablo. Dort dann Schuhe wechseln, Matschschuhe in die Tasche und Ballerinas an und das Desfile konnte losgehen. links, zwo, drei, vier, losmarschiert! Eine Runde durch San Pablo. Leider waren die Colegio-Schueler schon so weit vor uns, dass sie schon fertig waren und als Zuschauer am Rand standen als wir dann auf dem Hauptplatz angekommen sind. Und wie das so ist wenn eine gringa vorbeilaueft und dann auch schon schickgemacht und dann auch noch im Umzug, wurde mir natuerlich von ueberallher von allen Seiten hinterhergepfiffen und bloede Sprueche gerufen, am Besten noch auf Englisch I love you und  Chello, beautiful und sonstnochwas. Fanden natuerlich alle witzig, am meisten die Praktikantinnen und die Kiddies, und ich waere mal wieder am liebsten auf der Stelle im Boden versunken. was wollt ihr eigentlich, ihr seid doch alle mindestens 2 jahre juenger als ich? Grrr… Wir sind das ja gewoehnt und reagieren da eigentlich schon gar nicht mehr drauf, aber in Gegenwart der Kinder ist das echt peinlich…

Donnerstag nachmittag habe ich hauptsaechlich in meinem ZImmer gesessen, da mir der Regen schon 3 Hosen durchnaesst hatte und nur noch meine Schlafanzughose uebriggeblieben war. Und mir Gedanken gemacht, wie wohl am naechsten Tag der Abschied in der SChule werden wuerde. Eigentlich wollte ich ja nicht dran denken, aber trotzdem hat es mich sehr beschaeftigt…

Freitag sollte in der Schule ein grosses Programm zum Muttertag stattfinden und gleichzeitig auch zu meinem Abschied. Bloederweise stellte sich morgens heraus, dass irgendetwas nicht fertiggeworden ist, meine Lehrerinnen haben ganz aufgeregt auf meine Gastschwester eingeredet, weil meine Gastmutter wohl irgendetwas organisieren oder vorbereiten sollte, und danach wurde mir mitgeteilt, ich muesste nochmal ein anderes Mal kommen, am 20. Juni wuerden sie dann ein Abschiedsfest fuer mich machen. Schoen, da hatte ich mich schon drauf eingestellt, mich zu verabschieden, alle Sachen mitgeschleppt, von denen ich ja letzte WOche schon erzaehlt hatte und dann sowas- trotzdem hat es sich schon ziemlich nach Abschied angefuehlt, da es mein letzter offizieller Arbeitstag war- alle 5 Minuten kam ein Kind an, klammert sich an mich und guckt mich mit ganz trauriger Miene an: No se vaya, senorita, geh nicht weg… Hilfe!

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Das Muttertagsprogramm war auch noch eine recht interessante Erfahrung, hat es doch sehr an einen Kindergeburtstag erinnert. Wir Lehrer hatten jeder einen Preis besorgen muessen (jeweils 6 Plastiksuppenschuesseln), die Muetter mussten sich dann in irgendwelchen komischen Spielchen um die Preise zanken. Ich sollte so ein bloedes Spiel mit denen spielen, wo die Mamis ein verstecktes Ei suchen muessen und ich dazu ein Lied singen (Die Senora Huhn hat gerade ein EI gelegt, wo hat sie es bloss hingelegt, such es, such es, such es…auf Spanisch natuerlich…) Da ich aber nicht singen wollte habe ich stattdessen Topfschlagen spielen lassen. Ist ja fast das gleiche… Die Suppenschuesseln hat wennigstens meine Gastmutter gewonnen…

Muttertag

Ja, und dann weg aus der Schule. Obwohl ich meiner Gastmutter 10x erklaert habe, dass ich ja noch wiederkomme und wir uns noch nicht verabschieden muessen, hat sie trotzdem schon geweint. Ach man das ist furchtbar, ich will nicht hier weg… Als ich mich von euch allen verabschiedet habe, wusste ich wenigstens, dass ich euch in 10 Monaten wiedersehe… Aber bis ich jetzt wieder das Geld zusammenkriege fuer einen Ecuador-Flug, wird es wohl etwas laenger dauern.

Und jetzt habe ich Ferien. Auch mal ganz nett! Obwohl wir schon recht verrueckt sind. Der erste MOntag, den wir nicht um halb 6 aufstehen muessen, schlafen wir tatsaechlich aus- bis viertel nach 6. Dann konnten wir nicht mehr schlafen. Diese Woche gibts auch noch einiges zu tun, Abschlussbericht schreiben, groessere Markteinkaeufe taetigen, Klamotten kaufen gehen, wo doch alles so schoen viel billiger ist als in Deutschland, Foto-Cds brennen und so weiter und so fort… Freitag geht es dann nochmal auf Reisen fuer eine Woche, wir wollen noch nach Cuenca- was wir ja eigentlich schon an WEihnachten geplant hatten. Das Wochenende danach ist eine Imbabura-Besteigung mit Zelten bei den Lagunen auf ueber 4000m geplant- mit allen guten Freunden hier. Das wird ein Abenteuer, das muss noch sein. Hoffentlich ist das WEtter gut, dann schaffen wir vielleicht auch bis ganz nach oben zu klettern – auf 4800m. Wie gesagt, auf den Hausberg muessen wir noch. Ich freue mich, das wird das Highlight! Hoffentlich macht mein Antibiotika-geschwaechter Koerper mit. Ich werde dann berichten!

Verfasst von: dina88 | Mai 25, 2008

Endspurt!

Eigentlich habe ich ja gar keine Zeit zum Schreiben, muss noch soooo viel erledigen bis morgen und eigentlich muss ich mich ja auch schonen. Aber weil ihrs seid und ich schon letzte Woche nicht geschrieben habe…

Hier geht alles seinen mehr oder weniger gewohnten Gang, manchmal findet viel Unterricht statt, manchmal faellt viel Unterricht aus und man fragt sich, wofuer man ueberhaupt in die Schule gekommen ist. Das wird aber nicht mehr lange so sein, am Mittwoch wird naemlich schon mein letzter Schultag sein. Bis zum offiziellen (immer noch nicht ganz feststehenden) Ferienbeginn Mitte Juni habe ich Urlaub, da wird naemlich eh fast alles ausfallen, und in gut 1 Monat gehts auch schon nach Hause… Das heisst, nun beginnt das Abschiednehmen, und dafuer ist ganz schoen viel zu organisieren. Ich moechte gerne jedem meiner Englischschueler, also 51 Kindern, ein Foto von sich schenken, sowas ist hier sehr gefragt. Dafuer bin ich seit letzter Woche damit  beschaeftigt, ALLE Foto-CDs, die sich in nun knapp 9 Monaten so angesammelt haben, durchzusehen, Fotos zu kopieren und dann gesammelt auf eine andere CD zu brennen, damit ich dann von jedem Kind auch ein Foto habe. Ganz schoen viel Arbeit… Gestern gings dann ans Fotos entwickeln lassen, was hier zwar schneller geht, aber auch komplizierter, teurer und qualitativ schlechter ist- hier existiert naemlich nur Direkt-Druck, Fotos richtig entwickeln koennen die nicht. Erst hat Mia 2 Stunden dort am Computer gestanden (die Leute dort sind naemlich noch nicht mal in der Lage, nach Liste die Fotos selbst auszudrucken, sondern man muss noch alles alleine machen.), dann ich fast 3 Stunden, hab ja mehr Kinder. Also Schueler. Als ich dann mit meinen tausend Listen abends die Fotos durchgeschaut und in die Briefumschlage gesteckt habe, stellte sich natuerlich raus, dass genau ein Kind fehlt. Also ich hatte ein Foto ausgewaehlt, aber wohl irgendwie nicht ausgedruckt. So ein Aufwand und dann so was. Da konnte ich nur noch hoffen, dass ich heute, am Sonntag, noch ein Fotogeschaeft finden wuerde, was mir das Foto noch druckt. Hat Gott sei DAnk geklappt…

 Der Rest des Nachmittags ging dabei drauf, einen grossen Bilderrahmen ausfindig zu machen, den ich mit Fotos von mir, meinem Unterricht, der Schule, den Kindern etc. fuellen und der Schule als Erinnerung schenken wollte. Leider gab es keinen Rahmen, der groesser als etwa DIN A 4 war. Da kriegt man vielleicht 3-4 Fotos unter. Aber nachdem wir 20 LAeden abgeklappert und niochts besseres gefunden haben, msusten wir uns jeweils mit so einem begnuegen. Eine grosse Ecuador-Flagge aufzutreiben, die fuer mich als Erinnerung alle Kinder, Lehrer, Bekannte, Volontaere, Freunde etc. aus der Zeit unterschreiben duerfen, ging dann Gott sei Dank schneller.

Der heutige Nachmittag wird dann damit draufgehen, die 15 Fotos fuer die Schule so zurechtzuschnippeln, dass sie in den DIN A 4 Bilderrahmen reinpassen. Deswegen hoer ich jetzt auch schon wieder auf!

Verfasst von: dina88 | Mai 10, 2008

Colombia!

Ja. Wir haben es tatsaechlich geschafft und sind verreist. Und kein langweiliger Entspannungsurlaub in den Thermalquellen, nein nein. Es fehlten noch ein paar Stempel im Pass. Also auf nach Kolumbien, FARC hin oder her, Drogen und sonstige Kriminalitaet genauso, wenn man nur 3 Stunden von der Grenze entfernt wohnt muss das einfach sein.

Freitag mittag also auf in den Bus, 3 Stunden nach Tulcan, Taxi zur Grenze, Ausreisestempel, Geld tauschen (90 Dollar = 148.000 Pesos, wie soll man da den Ueberblick bewahren?), zu Fuss ueber die Grenzbruecke, Einreisestempel, Taxi zum Busterminal, ab in den naechsten Bus nach Pasto. Da sollte unsere Reise hingehen, eine nette 300.000 Einwohner-Stadt im Sueden Kolumbiens, voellig ungefaehrlich und gut zu erreichen. Nochmal 2 Stunden Busfahren, noch ein Taxi, und abends gegen 8 Uhr waren wir schon im Hostal. Alles voellig problemlos. Das erste Leuchten zauberte der Schuhladen gegenueber unseres Hostals in unser Gesicht. Endlich Schuhe, muessen wir nicht mehr mit den dreckigen und nach Kuhmist stinkenden comunidad-Allzweck-Turnschuhen ausgehen…

Samstag wurde dann nach etwas obligatorischem Altstadtbummel (gibt wirklich schoene Kolonialarchitektur zu begutachten. Die Kirchen waren leider leider alle geschlossen- bliebs beim Touri-Fotos schiessen von aussen…) zum Shoppingtag- ein LAden neben dem anderen. Etwas enttaeuschend: Es war nicht alles wie versprochen billiger als in Ecuador. Vielleicht lags aber auch nur am Dollarkurs, das wir so „wenige“ Pesos bekommen haben und uns alles so teuer vorkam. Trotzdem gabs dann gegen Ende des Tages ein paar neue Schuhe. Nachdem wir naemlich saemtliche Schuhlaeden der Stadt abgeklappert haben, haben wir natuerlich doch in dem oben erwaehnten eingekauft. Die noch viel groessere Enttaeuschung: Aus allen Laeden super Musik, wir hatten uns seit Wochen auf kolumbianische Cumbias und Salsas gefreut – aber keine CD-Laeden.- Auf Nachfrage konnte man erfahren, dass es im Einkaufszentrum welche geben sollte. Ab 30.000-40.000 Pesos- das sind ja 20 Dollar! Was soll das denn ? Original- CDs versteht sich… Und die anderen? Auf der Strasse fuer 7-10.000 Pesos- 4mal so viel wie in Ecuador. Und wenn die Polizei kommt, wird schnell eingepackt. Ich dachte ja mal, Kolumbien sei so ne Schwarzmarkt-Hochburg. Aber kopierte CDs sind illegal- komisch, in Ecuador kann man gar keine Original-CDs kaufen. An jeder Ecke ein CD-Laden, natuerlich nicht Originalcds, jede CD 1 Dollar, voellig legal, ganz offiziell. Heute erst habe ich 14 CDs fuer 12 Dollar gekauft- dafuer kriegt man in Deutschland noch nicht mal eine. Aber in Kolumbien geht das scheinbar nicht. Schade!

Die dritte und fuer mich allergroesste Enttaeuschung: Seit wochen hatten wir uns darauf gefreut, die Tanzkuenste der Kolumbianer zu testen, sind sie doch dafuer beruehmt-beruechtigt. Und als vor ein paar Wochen halb Pasto in Otavalo war, haben hier die besten Parties stattgefunden, die ich bisher erlebt habe. An diesem Samstagabend in Pasto war allerdings tote Hose. Statt Tanzen zu gehen wollten sie sich alle lieber das Fussballspiel Pasto gegen die kol. Nationalmannschaft anschauen. Also wenigstens ein Cocktail? Fuer umgerechnet 7 Dollar. Das sind ja europaeische Preise, dafuer kriegt man in Otavalo 3. Von wegen, Kolumbien ist so billig. Dafuer haben wir kein Geld. Also zurueck ins Hostal, um 10 Uhr ins Bett, war auch nicht so schlecht, da wir am Sonntag um 6 schon wieder los wollten, zurueck ins billige Ecuador.

Auch das wieder problemlos, viel problemloser als an der peruanischen Grenze. Was uns etwas geschockt hat war der Beamte im ecuadorianischen Einreisebuero. Der wollte uns naemlich weismachen, wir haetten nur noch 3 Tage in Ecuador. Dann muessten wir weg. Gut, dass wir die ecuadorianischen VIsa besser verstehen als er- nachdem wir zu zweit auf ihn eingeredet haben, dass wir ein Visum haben, welches ab dem Tag der Einreise 1 Jahr, 365 Tage gueltig ist, mit beliebigen Ein- und Ausreisen, und demnach bis zum 31.08.08 im Land bleiben duerften, hat er es uns dann doch geglaubt. Er haette eh nichts zu sagen gehabt, da im Pass dieses Datum schwarz auf Weiss drinsteht und von der Auslaenderbehoerde nochmal bestaetigt wurde. Bloedmann…

Auf dem Rueckweg von der Grenzstadt nach Otavalo wurden dann 5mal Paesse und  GEpaeck kontrollliert. Laueft immer so: Ein Polizist oder Militar oder wie auch immer winkt den Bus rechts ran, irgendein bewaffneter Typ steigt ein, guckt sich die Leute im Bus an, kommt auf uns zu, bitte Paesse, bitte Gepaeck, wirft einen Blick drauf und geht wieder raus. Die Ecuadorianer sind ihm egal- sind ja auch immer die 2 blonden, 20-jaehrigen Weissen Rucksackreisenden, die die Drogen schmuggeln oder illegal reisen oder wie auch immer. Tzzz… Aber man gewoehnt sich ja an alles. Man faellt hier eben sofort auf.

Trotz der eben erwaehnten Enttaeuschungen hat sich der Trip vollends gelohnt. Jedes lateinamerikanische Land hat seine Eigenheiten, auch wenn man die gar nicht unbedingt an Einzelheiten festmachen kann ist es doch sofort ein anderes Bild, eine andere Atmosphaere, sobald man ueber die Grenze ist. Und 4 Stempel mehr im Pass- sieht langsam aus, als haette ich schon ne Weltreise gemacht.

Besonders zu erwaehnen ist noch der Rest des Wochenendes in Otavalo: Katharina, eine Volontaerin, die mit Laura, Mia und mir (die einzigen „Ueberlebenden“ der Anfaenge im September, alle anderen sind frisch hier…) schon seit September hier war, gab ihren Abschied. Mit einigen Freunden aus San Roque haben wir erstmal wieder die Sonntagsdisko in Atuntaqui aufgesucht, dann ging es zu einem von ihnen nach Hause. Im Dorfladen wurde ne Flasche trago (irgendwas selbstgebranntes hochprozentiges) fuer 2 Dollar gekauft, ein Paar Limonen, Zucker, irgendwelche Kraueter aus dem Garten, und damit kann man dan ausgezeichneten Mojito machen. Mmmmhhh… Bei Wellington zuhause haben wir also mit bis zu 10 Leuten bis nach 1 Uhr nachts (oder 1 Uhr morgens, wie man hier sagt) gesessen, die arme traurige Katharina hat noch Ecuador-baender ins Haar geknuepft bekommen, ich ein Armband, ja und dann? Wie kommt man um 1 Uhr aus San Roque zurueck nach Otvalo? Rufen wir doch mal den don Segundo an, der hat ne Camioneta. Der war zwar schon im Bett und schlief, aber kein Problem, ich zieh mir eben ne Hose an, dann fahre ich euch fuer 6 Dollar zurueck nach Otavalo. Um 2 Uhr waren wir tatsaechlich zuhause, wir haetten sage und schreibe 3,5 Stunden Schlafen koennen, aber wir hatten furchtbar Hunger. Also noch Spaghetti kochen. Mit Kerzenlicht, weil die Gluehbirne in der Kueche ist ja hinueber. Also erst um 3 ins Bett und nur 2,5 Stunden SChlafen. Macht ja nichts, wir muessen ja nur morgen arbeiten. Aber nach 8 Monaten darf man sich auch das mal erlauben. Und so muede war ich gar nicht. Das kam dann erst am Nachmittag, aber so gehts mir jeden Montag nachmittag, ich stelle meinen Rucksack in mein Zimmer, setze mich einen Moment aufs Bett, um die Schuhe auszuziehen- und schlafe ein. Meine Gastfamilie findet das immer sehr witzig, die verstehen einfach nicht, dass man auch um 2 Uhr mittags schlafen kann.

Joa, die restliche Woche war dann wirklich normal- ich habe glaub ich erstmals seit ich hier bin ALLE, ausnahmslos ALLE vorgesehenen Stunden gegeben. Und 3x Nachmittagsunterricht. Die Kinder werden noch richtig gut 🙂 Wird auch langsam Zeit, ich habe naemlich beschlossen nur bis Ende Mai zu arbeiten. Will im Juni doch noch was reisen. Ausserdem stehen mir theoretisch noch 3 Wochen Urlaub zu, die ich nicht genommen habe und im Juni passiert eh nix mehr in der Schule.

Ja, das sind die Plaene. Soweit. Bis naechste Woche!

Verfasst von: dina88 | April 26, 2008

..und wieder ein Wochenende in Otavalo!

EIGENTLICH wollten wir ja in die Thermalquellen. Aber wie immer kommt in Ecuador etwas dazwischen, sei es die Gesundheit, das Wetter oder manchmal auch unsere Faulheit. Diesmal war es mal wieder ersteres. Mia quaelt sich immer noch mit den Spaetfolgen einer Lungenentzuendung, mich hats mal wieder magenmaessig etwas erwischt. Nicht schlimm, mir ist nur ein bisschen schlecht die ganze Zeit, aber man weiss ja nie, was da noch kommt. Und Busfahrten auf der Pana sind da auch nicht die beste MEdizin. Aber das wird schon wieder, verschieben wir die Plaene eben um eine Woche. Naechste Woche haben wir eh einen Tag laenger Zeit, der 1.Mai wird naemlich wie alle anderen Feiertage auf den Freitag verlegt. Feiern wir den ersten Mai eben am 2., ist doch kein Problem! Werde mir wohl aber auch den ersten freinehmen, habe ja bisher erst 2 von 17 Tagen Urlaub genommen, weiss gar nicht, wo ich die noch unterkriegen soll. Will ja nicht 3 Wochen frueher SChluss machen.

Hartnaeckig halten sich auch die Geruechte um ein Manu Chao-Konzert am 30. April in Quito, das waere natuerlich der Hammer. DAs Problem ist nur, dass man das nur von irgendwelchen Personen hoert, die es angeblich im Radio gehoert oder im Internet gelesen haben, selbst hoert man aber nie was und saemtliche Ticketverkaeufer haben keine Ahnung. Plakate gibts auch keine. Ich glaube also nicht, dass es dieses Konzert tatsachlich geben wird, auch wenn wir ja das ecuadorianische Organisationstalent schon kennen. Aber andere Konzerte vergleichbarer Klasse, wie das von Maná letzte Woche, wurden auch zumindest einige Wochen im Voraus angekuendigt und es gab sogar einen Vorverkauf. mal schauen was das noch gibt. Warum gibt es ein Konzert in Bogota und im Juni/Juli eine Europatournee, aber kein Konzert in Quito? Zu schade… Wir hatten ja seinerzeit schon ueberlegt, nach Bogota zu fahren, aber das ist ja schon ein heisses Pflaster, so als drittgefaehrlichste Stadt der Welt. Haben wir dann doch drauf verzichtet.

Statt Konzert stand letzte Woche ein anderes Grossereignis an: Atletismo, Sportfest der zona 3 San Pablo, wo wir unsere Kids so lange draufhintrainiert hatten und mein ganzer Unterricht fuer ausgefallen ist. Montag und Dienstag haben wir jeweils den halben Tag damit verbracht, aus Eukalyptuszweigen Laufbahnen zu legen, weil die Kinder so etwas sonst ìm Sportstadion zu Otavalo das erste Mal gesehen haetten. unsere bereits in der vorherigen Woche ausgehobene und mit Sand aufgefuellte Weitsprunggrube war nur noch ein Schlammloch, auch hierfuer musste eine Loesung gefunden werden. Heben wir doch die SPitze von diesem Kiesberg dort ab und lassen die Kinder vom Hang dort draufspringen. Super Training. Auch das Sportstadion in Otavalo konnte aber mit europaeischen Standards kaum mithalten. Von wegen Tartanbahn, gelaufen wird auf bruechigem Asphalt mit einigen Schlagloechern und ner Menge Rollsplit, nur die inneren 4 Bahnen sind noch vollstaendig erhalten und koennen fuer Staffel etc. genutzt werden. Was natuerlich alles furchtbar in die Laenge gezogen hat, auch ist man hier nicht in der Lage, 2 Disziplinen gleichzeitig ablaufen zu lassen, nein, alles schoen hintereinander, ueber 2 Tage verteilt, obwohl nur etwa 100 Kinder von 5 Shulen teilgenommen haben. Mia und ich haben uns etwas gelangweilt, waehrend meine Lehrerinnen an ihrer eigenen Dummheit verzweifelt sind. Entschuldigung, aber das kann man nicht anders sagen. Als wir die Nomina, die Starterliste, erstellen mussten, hatte ich ihnen gesagt, sie sollten sich vielleicht aufschreiben, welche Kinder sie fuer welche Disziplinen angemeldet haben, damit sie das nicht vergessen, die Kinder selber wissen das eh nicht, damit man sie entsprehcend vorbereiten kann und weiss, welche Kinder man nun losschicken muss, wenn zur Maedchenstaffel aufgerufen wird. Aber nein, wir wissen das doch und die Kinder auch, die Listen wurden abgegeben 10 Tage vor dem grossen Tag, die Kinder wurden trainiert, so wie sie sich das wieder zusammengereimt haben, nur leider trainierte man so die Kinder fuer Sprint, die eigentlich fuer 1200m angemeldet waren und umgekehrt. Beim Atletismo gab es dann grosses Chaos, weil man wie gesagt nie wusste, wo man welches Kind jetzt hinschicken musste. Ich habs euch doch gesagt! Da hatte ich aber keinen Vertrag mehr mit, ich habe gemuetlich mit Mia auf der Tribuene gesessen und mit den Kindern um die Wette Wassereis gelutscht.

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Die Attraktion des Tages war zweifelsohne der juengste Teilnehmer, der kleine Lenin (ja, ich weiss dass das ein geschmackloser Name ist, aber sagt das mal den Ecuadorianern, Lenin ist fast so beliebt wie (E)stalin…) aus Ucsha. Gerade mal  5 Jahre alt, streng genommen noch nicht mal in der Schule sondern in der Vorschule, laeuft aber genauso schnell wie die 10-11jaehrigen, auch wenn er nur halb so gross ist. Den Auftritt wollten wir ihm bieten und haben ihn in die Staffel gesteckt. Dort stand er dann, mit seinem Fussballtrikot, was ihm bis ueber die Kniekehlen geht und der Fussballhose, die bis zum Fussgelenk reicht und immer wieder herunterrutscht, weil sie natuerlich auch eher fuer 10jaehrige gedacht war. Aber stolz wie ein SChneekoenig. Von seinen Kollegen wird er zwar eher als Maskottchen missbraucht, aber das macht ihm gar nichts. Wir hatten so gut geuebt, eigentlich haette gar nichts schieflaufen koennen. Und er macht das auch ganz toll, wartet brav auf der ihm angewiesenen Position, Ucsha fuehrt, und was macht der doppelt so alte Bryan? Legt das Staffelholz nicht richtig in das kleine Haendchen und es faellt zu Boden. Ein Aufschrei geht durchs Publikum, blitzschnell hat unser Speedy Gonzalez es zwar wieder in der Hand, aber natuerlich waren die anderen SChulen laengst vorbeigezogen. Aufholen konnte er dann wirklich nicht mehr, das ist wirklich nicht im Bereich des moeglichen. So verloren wir die Staffel, doch der Kleine hat natuerlich von allen Seiten einen Extra-Applaus bekommen. Was ihm aber furchtbar peinlich war, er wusste ja, dass nicht alles so perfekt gelaufen war, und ist schnurstracks zu seiner Mami gerannt um sein Gesicht in ihrer Bluse zu vergraben. Dem grossen Bryan wurde zur gleichen Zeit ordentlich die Ohren langgezogen, dass die Lehrerinnen nicht das grosse Schullineal ausgepackt haben war auch alles. Tat mir ein bisschen leid!

Freitag haben wir uns den Stress dann erspart, nun hat tatsaechlich „Pachamanka“ stattgefunden, das Kochen in der Erde. Zuerst ein grosses Feuer gemacht, in dem die Steine erhitzt wurden. Das Loch war schon ausgehoben, dort kamen dann nach einem speziellen Ritual die heissen (fast rotgluehenden) Steine rein, dann das Essen drauf (Huehnchen eingewickelt in Kohlblaetter, Kartoffeln, Moehren, Maiskolben, Bohnen und noch ein paar spezielle Andenprodukte deren Namen euch eh nichts sagen wird. Darauf nochmal Steine, Maisblaetter, ein Bettlaken, eine Strohmatte und dann ganz viel Erde, damit der Dampf nicht entweicht. Eine halbe Stunde wurde dann Musik gemacht und ums Erdloch getanzt, der Leiter der Zeremonie barfuss auf der Erde ueber dem Loch, was wir uns in der Kaelte und im Matsch und Regen nicht antun wollten (obwohl die Erde recht schnell ziemlich warm geworden ist!), alles sehr indianisch, und dann wurde das Essen wieder ausgebuddelt und war richtig gar und richtig lecker! Leider haben wir natuerlich alle einen Riesenteller bekommen, was meinem eh schon leicht angeschlagenen MAgen wohl nicht so gut getan hat. Vor der Camionetafahrt nach Hause hatte ich etwas Angst, so eine halbe Stunde stehend ueber Stock und Stein, aber auch das habe ich ueberstanden.

Gestern abend waren wir dann noch mit ein paar Freunden weg, erst ein paar Bars und dann die Konkurrenzdisko unserer Lieblingsdisko unsicher machen, weil da freitags einfach mehr Leute sind. Bis halb 1 haben wir uns richtig amusiert, viel Salsa und Merengue getanzt, dann ging leider die Musik mitten im Lied aus und das Licht an. Was ist das? Normalerweise gehts doch bis 3? Und da hoerte man auch schon die Streitereien in der oberen Etage, alle Leute schnell raus, Pruegelei! Den Ernst der Sache habe ich erst kapiert, als jemand mit nem Baseballschlaeger die Treppe runter kam. Hilfe, raus hier! Draussen wurden auch schon Flaschen geschmissen, schnell ausser Reichweite, ab nach Hause! Diesmal waren wir sogar mit dem Auto da, bzw. der Bruder eines Freundes. Mit dem waren wir vorher schon von einer Bar zur naechsten gefahren. Ein klappriger Jeep, normalerweise fuer hoechstens 5 Personen gedacht – es passen aber auch 9 rein! 3 vorne, 1-2 im KOfferraum( der auch kein richtiger Kofferraum ist sondern nur ne kleine Ablage…)  und 4-5 auf der Rueckbank. Ich natuerlich immer zuoberst, da ich selbst hier meist noch die kleinste und leichteste bin. ZUmindest wenn keine ecuadorianische Frau dabei ist. Die meisten Maenner sind aber auch nicht viel groesser als ich. Zuletzt habe ich einen gesehen, der kam mir vor wie ein Riese, als ich aber dann genauer geschaut habe bin ich zum Schluss gekommen, dass der auch nicht groesser sein kann als 1,80m. Aber sowas ist man nicht mehr gewoehnt. Hilfe, wie wird das bloss in Deutschland? Muss noch die letzten 2 Monate geniessen, wo die Kinder englische Saetze bilden wie „Dina is tall…“ Das tut gut!

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So, das wars dann auch von diesem Wochenende! Naechstes werde ich mich dann hoffentlich nicht melden, weil ich mich endlich im Thermalbad entspannen will!

Verfasst von: dina88 | April 20, 2008

HILFE!!! Nur noch 10 Wochen…

Ja, so langsam wird einem schon bewusst, dass es dem Ende zugeht. Zwar bleiben andere insgesamt nur 3 Monate hier und wir haben ja noch gut 2 Monate vor uns, trotzdem ist es erschreckend wenig im Vergleich zu den fast 8 Monaten, die wir schon hier sind. Furchtbar. Die Wochen fliegen nur so vorbei. Immer noch gibt es in Ecuador so viel zu entdecken, ich glaube ich breche den Negativ-Rekord im Verreisen unter den Freiwilligen, aber eigentlich geht es uns in Otavalo so gut, dass wir jede Minute hier ausnutzen und geniessen wollen. Nichts zieht uns hier weg. Ein bisschen mehr werden wir aber bestimmt noch sehen von diesem Land…

Am Montag wurde ich zum Flughafen geschickt, neue Volontaere abholen, und da kam erst recht schon etwas Abschiedsstimmung auf bei dem Gedanken, dass ich in 2 Monaten hier stehen werde, mit meinem ganzen Gepaeck, und zurueck nach Deutschland muss. Frueher fand ich Flughaefen immer toll, sie wecken so Reisefieber, den Besuch am Flughafen in Quito fand ich aber eher deprimierend. DAzu kommt, dass dort eine ganz andere ATmosphaere herrscht als an europaeischen Flughaefen. Dort warten viele Familien auf irgendwelche Verwandten, die seit JAhren in Spanien arbeiten und jetzt auf Urlaub zurueckkommen. Zum Teil zum ersten Mal seit vielen Jahren. Eine Frau stand neben mir mit ihren 4 Kindern und erzaehlte mir, sie warte auf ihren Mann. Der sei seit 5 Jahren in Spanien und hatte nun erstmals das Geld, kurz zurueckzukommen. Die kleinste Tochter wuerde ihren Vater gleich zum ersten Mal sehen- das sind dann wenigstens schoene Momente. Auf der anderen Seite gibt es aber mindestens genausoviele Familien, die ihre Angehoerigen wieder verabschieden muessen und noch nicht wissen, wann (und ob?) sie sie wiedersehen werden. Oder gleich ganze Familien, die sich ohne Rueckflugticket auf den Weg nach Spanien machen. Traurig…

Am gleichen Tag gab es aber auch sehr schoene Momente. Am MOrgen hatten wir naemlich kleine Tische und Stuehle aus dem Schweizer Container nach Ucsha gebracht und der Vorschule bzw. dem Kindergarten geschenkt, zusammen mit ganz vielen Kuscheltieren, Puzzlen, Buechern und sonstigem Spielzeug. Fuer Eltern und Kinder war es eine Ueberraschung und sie haben sich sooo sehr gefreut. Richtig schoen!

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Was mich auch sehr freut, ist, dass ich mitlerweile 3x die Woche Nachmittagsunterricht geben kann, und die Kinder, die mir vorher immer gesagt haben, sie koennen nicht, ihre eltern lassen sie nachmittags nicht weg, sie muessen arbeiten, egal was ich vorgeschlagen und mit ihnen machen wollte, nun tatsaechlich kommen. Ich weiss nicht, wie es jetzt zu dem Stimmungsumsclag in den Familien kam, aber es ist schoen. Von den 30 Kindern der 5. und 6. Klasse kommen regelmassig etwa 20 zum Nachmittagsunterricht. DAs ist mir schon fast zu viel, wollte ich doch eigentlich nachmittags eher Konversationstraining Englisch machen, da es im Unterricht immer zu unruhig ist, um viel muendlich zu machen. Das geht jetzt nachmittags mit 20 Kindern erst recht nicht, aeber wir haben das jetzt so geloest, dass ich mit den Kindern, die puenktlich kommen (ein Drittel bis die Haelfte) die erste Viertel- bis halbe Stunde kleine Dialoge uebe, und wenn dann alle komplett sind, machen wir jeweils ein kleines Grammatikthema oder vertiefende Uebungen zu dem, was wir jeweils gerade in der Schule machen. Gerade im Moment ist dieser Extra-Unterricht sehr wichtig, da morgens kaum UNterricht stattfindet. Montag zum Beispiel musste ich nach QUito, dienstags war die Direktorin nicht da, dass heisst ich musste einspringen und mich den ganzen Tag um ihre 35 schreienden, zankenden Erst- und Zweitklaessler kuemmern. Anstrengend… Mittwochs war sogar einigermassen komplett Unterricht. Donnerstag waren die Referendare da, dann kann ich keinen Unterricht geben und sitze nur dumm rum. Am Freitag haben wir Lehrer uns versammelt weil es irgendwas zu besprechen gab. Sollte eigentlich nur ne Stunde dauern, hat aber den halben Tag gedaurt. Insgesamt habe ich also diese Woche von 15 vorgesehenen Stunden 3 Stunden unterrichtet. DAs ist ziemlich demotivierend, weil man so manche Kinder einfach wochenlang nicht unterrichtet und dann wieder von vorne anfangen muss. Naechste Woche ist auch wieder nur bis Mittwoch Unterricht, weil Donnerstag und Freitag Sportwettkaempfe in OTavalo sind… Und Montag bis Mittwoch muessen wir bestimmt dafuer ueben.

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Ja, was gibt es sonst noch zu berichtn? Gestern waren Mia und ich endlich nochmal richtig shoppen. DA mitlerweile schon 3 Hosen voellig zerrissen sind, davon eine, die ich erst im Dezember hier gekauft habe, komme ich langsam nicht mehr nach im Hosen-Nachkaufen. Gott sei Dank kennen wir aber mitlerweile einen Laden hier in Otavalo, wo es qualitativ gute JEans gibt, die zwar nicht nur 10 Dollar kosten, wie in den anderen Laeden, sondern 40 Dollar, was hier wahnsinnig viel Geld ist, aber fuer deutsche Verhaeltnisse immer noch nicht viel. Gestern waren wir in Atuntaqui, einer kleinen Stadt hier in der NAehe. Das war ein Geheimtipp unserer Freunde aus San Roque, was nur 5 Busminuten von Atuntaqui entfernt ist, und hier gab es echt einen LAden neben dem anderen. Diesmal habe ich eine Jeans fuer 27 Dollar, also gerade mal etwa 17 Euro, gefunden. Und in diesen LAeden sind sie auch in etwa auf ecuadorianische Groessenverhaeltnisse abgestimmt, also mit 1x Umschlagen passen die Hosen! Am liebsten wuerde ich gleich 5 kaufen, aber ich hab ja nur 2x23kg Gepaeck, und die brauche ich schon fuer die ganzen OTavalo-Markt-Einkauefe, die ich noch taetigen muss, die ganzen Alpaca-Decken und Pullis und schals und den Schmuck und die Haengematte und die 100 CDs mit Salsa und Merengue und BAchata und Reggaeton und Cumbia die ich auch noch kaufen muss. Eine CD kostet 1 Dollar… Wie gut, dass ich bisher so sparsam gelebt habe und noch ein bisschen Geld fuer diese Einkauefe uebrig ist. Ansonsten gab es bei der Shoppingtour noch ein neues T-Shirt (ich hatte bisher nur ein „ausgehfaehiges“ T-Shirt und im Jampa haben mich die Leute schon anhand des T-Shirts wiedererkannt…) und ein paar neue Socken. Die gehen naemlich langsam alle kaputt, vom staendigen von-Hand-wascen und schrubben. Genauso wie die Unterwaesche. Da haben wir leider keine neue gefunden, es gibt naemlich nur pink-rot-blau geringelte Unterhoeschen mit GLitzersternchen-Dekoration- das muss dann doch nicht sein.

Gleich geht es wieder zum Fussball schauen nach San Roque wie letzte Woche. Doch da wird es langsam echt lebensgefaehrlich fuer uns, letzte Woche waren wir danach noch bei Adrian zum Salsa tanzen, und irgendwie hat der Herr Salsa- Profi- Lehrer es geschafft, eine komische Drehung zu machen und mir seinen Ellbogen gegen die NAse zu rammen. Die hat die ganze Woche wehgetan. Grrrr… Werde versuchen, solche Unfaelle in Zukunft zu vermeiden.

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Naechste Woche werde ich wohl nicht schreiben koennen, wir wollen doch wieder ein bisschen verreisen und die Zeit nutzen. Vorraussichtlich geht es zu den Thermalquellen von Papallacta. Freu mich schon!!!!

Verfasst von: dina88 | April 5, 2008

Alles wie immer…

Ja, so langsam weiss ich dann doch nicht mehr so viel Neues zu berichten jedes Wochenende. Der Unterricht laeuft, das Wetter ist verrueckt, entweder regnet es ununterbrochen oder die Sonne scheint so stark, dass man nach 3 Stunden Fussballspielen komplett verbrannt ist, wie ich gerade. In der Familie fuehle ich mich immer noch wohl, in Otavalo auch. Mitlerweile haben wir dann doch einen schoenen gemischten Freundeskreis (Gringos und Ecuadorianer) mit dem wir viel Spass haben und viel unternehmen. Uns geht es so gut, dass wir eigentlich gar nicht mehr zurueck wollen. Und wenn es hier nur eine wirklich gute konkurrenzfaehige Uni gaebe, wuerde ich das auch durchziehen. Aber gibt es leider nicht. Nur in Quito, und Quito ist furchtbar. Da will ich nicht wohnen. Trotz allem will Laura nun wirklich ernst machen und hier studieren. 3 Wochen nach Deutschland, Papierkram erledigen und Freunde und Familie besuchen und dann wieder zurueck. Und denkt jetzt bitte nicht „und was ist in 5 Jahren, wenn sie wieder zurueck nach Deutschland will? Wird das dann alles anerkannt etc.?“ Genau das ist der Gedanke, bei dem wir uns zwar auch immer wieder ertappen, aber das ist das typisch Deutsche, und genau deshalb wollen wir ja eigentlich nicht mehr zurueck. Hier lebt man einfach, und irgendwie geht es, es geht immer. Und man lebt verdammt gut. Aber im Endeffekt denken wir doch alle noch zu Deutsch (bis auf Laura :-)) um das durchzuziehen.

Auf der anderen Seite haben wir uns aber schon sehr viel ecuadorianisches angewoehnt. Am Donnerstag zum Beispiel war ich mit einem Ecuadorianer verabredet, der Deutschunterricht haben wollte. Wir wollten uns um 4 Uhr treffen, ich war natuerlich um 4 noch ganz gemuetlich im Haus, weil ein Ecuadorianer mit 4 Uhr eher halb fuenf meint. Um 2 Minuten nach 4 klingelt mein HAndy, wo ich denn bliebe… Was ist denn das fuer einer? Nachher stellte sich heraus, dass er seit 5 JAhren in Spanien lebt und sich das Zuspaetkommen schon abgewoehnt hat. Ausserdem hatte er mal ne deutsche Freundin, die immer schon sauer war, wenn er nicht 5 Minuten vor der Zeit gekommen ist . Seitdem hat er seine Uhr 5 Minuten vorgestellt. Das ist schon fast typisch deutsch, habe ich ihm gesagt, gute Vorraussetzung fuer seine Plaene, nach Deutschland zu gehen…

Jaja so vergeht die Zeit, ich bin in der Gemeinde, unterrichte, am Wochenende bin ich hier und bereite Unterricht vor und gehe tanzen und treffe mich mit Freunden und neuerdings gebe ich Deutschunterricht. Deutsch ist schon ne komische Sprache. Das wird einem erstmal bewusst, wenn man versucht, sie jemandem zu erklaeren. Aber er stellt sich gar nicht mal so dumm an.

Naechste Woche ist mal wieder nur bis Mittwoch Schule. es ist naemlich „dia del maestro“, Tag des Lehrers. Jeden Tag gibts irgendwelche Programme zu Ehren der Lehrer und Donnerstag und Freitag gleich den ganzen Tag Festakte. Konnte mich Gott sei Dank da heraushalten, meine Lehrerinnen wollten mich mitnehmen, aber auf die Hymnen an die Lehrer kann ich echt verzichten. Obwohl ich wohl nicht drumrumkommen werde, weil die Kinder die uebers Wochenende auswendig lernen und dann wohl die ganze naechste Woche singen muessen. Meiner Meinung nach sollten sie aber nicht singen, sondern mal verinnerlichen was dieser Tag sagen soll. Letzten Donnerstag haben die 2 Chaotenklassen die Referendarin voellig fertiggemacht, sodass sie die letzte Stunde nichts mehr anderes tun konnte als sich bei ihrer Kollegin auszuheulen. Hat mir total Leid getan. Ich bin an diesen Kindern auch schon das ein oder andere Mal verzweifelt, aber so schlimm gings mir nie. Ich kann immer sagen, Leute, ich mache das freiwillig, niemand bezahlt mich, wenn ihr keine Lust hab Englisch zu lernen hab ich keine Lust, Englisch zu unterrichten und dann geh ich eben nach Hause. Habe ich noch nie getan, aber ich koennte es tun. Fuer die Praktikantin sieht das anders aus. Sie hat keinen Einfluss darauf, in welche Schule sie geschickt wird, und es kann ihr passieren, dass sie an einer Dorfschule wie meiner landet und dort sind die Kinder eben so. Laenger als eine halbe Stunde koennen sie sich nicht konzentrieren. Ab 9 Uhr ist schon fast kein Unterricht mehr moeglich mit den mittleren Jahrgaengen.

Ja, das wars dann mal wieder. Bis naechste Woche!

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